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Restitutionsdebatte:Grütters plant Gipfeltreffen zu Benin-Bronzen

Benin-Bronze im Ethnologischen Museum in Berlin.

(Foto: mauritius images)

Gesucht wird eine "nationale Strategie", zu der "selbstverständlich" auch Rückgaben gehören sollen, gab die Kulturstaatsministerin bekannt. Auch die Herkunftsgesellschaften sollen einbezogen werden.

Von Jörg Häntzschel

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will im April ein Bund-Länder-Treffen zum Thema Benin-Bronzen einberufen. Das gab ihr Haus am Donnerstag bekannt. Teilnehmen sollen die Kulturminister und -ministerinnen der Länder, das Auswärtige Amt und Vertreter der 25 deutschen Museen, die die wertvollen Skulpturen und Reliefs aus dem früheren Königreich Benin besitzen. Auch Vertreter der Herkunftsgesellschaften sollen einbezogen sein. Ziel sei es, "zu einer nationalen Strategie im Umgang mit den Benin-Bronzen zu kommen", die "selbstverständlich auch Restitutionen einschließen sollte".

Der größte Teil der Benin-Bronzen in deutschen und internationalen Museen wurde 1897 von britischen Soldaten in Benin-City im heutigen Nigeria geplündert und anschließend weiterverkauft. Auch wegen ihrer unzweifelhaften Herkunft wird die Rückgabe der Stücke seit Jahrzehnten gefordert. Erst in den vergangenen Jahren zeigten sich die Museen aber offener für Rückgaben. Dennoch hatte sich bis zuletzt wenig bewegt.

Bis am Montag Hartmut Dorgerloh, der Generalintendant des Humboldt-Forums, mit einer Äußerung eine Welle in Gang setzte, die sich nun kaum mehr stoppen lässt. Bei einem Pressegespräch sagte er, er erwarte bis zum September eine Entscheidung zur Rückgabe der Bronzen. Schon länger war klar, dass das Humboldt-Forum nicht eröffnet werden kann, ohne dass zuvor eine mit Nigeria abgestimmte Lösung für die Bronzen gefunden ist.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Andreas Görgen, der im Auswärtigen Amt für Kultur zuständig ist, in der vergangenen Woche mit nigerianischen Politikern bereits über die Modalitäten der möglichen Rückgabe verhandelt hat. Am Mittwoch sprach sich auch Außenminister Heiko Maas für Restitutionen aus. "Das ist eine Frage der Gerechtigkeit", sagte er. Der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der über die 440 Bronzen aus dem Ethnologischen Museum in Berlin entscheiden muss, äußerte sich am Mittwoch jedoch zögernder. Rückgaben seien "eine Option".

© SZ
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