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Popmusik:So viel Sex, dass es nicht mehr sexy ist

Die Zunge ging nicht mehr weg. Aber mittlerweile, ein Jahr danach, ist noch etwas klar: Miley Cyrus weiß, was sie tut. Das Twerken war kein Unfall. Sie bedient den Boulevard mit genau dem, was der Boulevard will: Nacktheit, Sex, Skandale. Der Clou dabei: Sie überbedient diese Wünsche so großzügig, dass der Boulevard es ist, der bloßgestellt wird. Und eben nicht sie selbst.

Anders als Taylor Swift hat Miley Cyrus der Authentizität nämlich sehr laut und grell Adieu gesagt. Mittlerweile ist klar: Die ausgestellte Sexualität der Miley Cyrus ist nichts anderes als Oberfläche. Cyrus ist purer Pop, ein einziges Spiel mit Oberflächen. Sex ist da kein anderes Mittel als die Plüschtierkostüme der Background-Tänzer. Nur eben eines, das noch mehr Aufmerksamkeit erzeugt.

Die Bilder von Cyrus' Körper sind gar nicht mehr zum Konsum geeignet

SZ-Magazin

Miley Cyrus bei einem Konzert in Wien im Juni 2014.

(Foto: dpa)

Miley Cyrus weiß das, denn ihre Jugend, ja, die prägenden Jahre der Pubertät, hat sie im sterilen, überinszenierten Disney-Kosmos verbracht. Als Hannah Montana, das süße Country-Music-Girl und American-Sweetheart war sie damals sexier als heute mit ihrem glatten, ausgestellten Körper, der notorischen Zunge, den verschiedenfarbigen (zuletzt auf ihrem neuen Plattencover glitzernden) Flüssigkeiten, die sie in ihrem Gesicht verteilt. So too much und over the top ist das alles, dass sie sich durch die ganze Übersexualisierung schon wieder entsexualisiert hat. Die Bilder von ihrem Körper taugen gar nicht mehr dazu, sie als Sexobjekt zu verkaufen.

Eltern freilich mögen lieber die freundliche Emsigkeit einer Taylor Swift. Und sie hassen Miley Cyrus für ihre Sex-Slacker-Persona, die kifft, flucht und ihr zuckendes Hinterteil Männlein wie Weiblein für alle möglichen Praktiken entgegenstreckt. Eine britische Umfrage ergab kürzlich, dass sie sich wünschen, ihre Kinder mögen sich bitte auf keinen Fall Miley Cyrus zum Vorbild nehmen, sondern lieber Kate, Herzogin von Cambridge. Wahrscheinlich machen die britischen Eltern da einen verständlichen, aber schweren Fehler. Denn in ihrer authentischen Inauthentizität ist Miley auf jeden Fall die interessantere Frau.

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Sie nahm zwar keinen Preis mit nach Hause, war aber trotzdem die Gewinnerin des Abends - zumindest in der Kategorie Aufmerksamkeit.

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