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Prinz Pi über Sexismus:"Es gibt keine Diskriminierung von diesen Minderheiten"

jetzt interview mit prinz pi

Prinz Pi, 40 Jahre, gilt mit Hornbrille und zurückgegelten Haaren als der Außenseiter unter den Rappern.

(Foto: David Daub)
  • Bei einer Gesprächsrunde des Online-Magazins hiphop.de diskutieren Rapper und Journalisten zum Thema "Welche Werte hat Hip-Hop".
  • Rapper Prinz Pi vertritt dabei die These, dass es in der Branche keinen Sexismus gebe.
  • Die Rap-Szene widerspricht - ebenso wie die Empirie.

Klingt eigentlich nach wunderbar diversifizierten Arbeitsbedingungen: Die Erfolgreichsten haben Migrationshintergrund. Frauen müssen nicht aussehen wie Models und nett behandelt werden sie auch noch. Die Branche, in der das gilt? Der deutsche Hip-Hop. Zumindest, wenn man Prinz Pi glaubt. Auf dem "New Fall Festival" vertrat der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Friedrich Kautz heißt, in einer Gesprächsrunde mit hiphop.de Anfang November jedenfalls die These: Hip-Hop ist frei von Sexismus, Diskriminierung oder Rassismus.

Die Erkenntnis kam ihm allerdings aus eher subjektiver Empirie: "Ich persönlich, ich habe das nie irgendwie erlebt, dass in dieser Hip-Hop-Szene jemand diskriminiert wurde wegen seinem Geschlecht oder wegen seiner Herkunft", lautete Kautz' Schlussplädoyer. In den zwanzig Jahren seiner Karriere habe er zwar viele "Arschlöcher und Vollidioten" gesehen, aber fast keine Frauenfeindlichkeit im Rap. "Die wurden wirklich gefördert."

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Und nicht nur den Frauen gehe es gut, sondern auch den Ausländern: "Es gibt keine Diskriminierung von diesen Minderheiten. Die meisten Leute, die super erfolgreich sind, sind quasi aus so einer Minderheit." Kautz verwies damit wohl auf Kollegen wie Capital Bra, Samra und Bushido.

Die Zukunft des Hip-Hop: Female, frei und für jeden zugänglich

Und weil Till Böttcher auf noizz.de widersprach ("Hallo Deutschrap, könnt ihr das bitte kommentieren? Mit aller Schärfe?"), und rap.de fragte, ob sie eine Revolution verpasst hätten, erklärte Prinz Pi in einem Gastkommentar seine Aussagen. Tenor: Hip-Hop ist ein Ponyhof für Musiker. Von "The future is female", über "Kein struktureller Rassismus in der HipHop-Szene", bis hin zu "Marx, Kapital und Klassenkampf" erklärt Prinz Pi dem rap.de-Leser wie die (Hip-Hop-)Welt funktioniert.

Und weil das ja noch immer überrascht, geschwind noch mal nachgelesen. Bei ein paar der derzeit erfolgreichsten Rap-Titel - nur aus diesem Jahr: "Baller' Weiber im Designer-Camouflage-Jogger weg. Komm, ich zeig' dir in der Kneipe, wie ein Barhocker schmeckt." ("Berlin lebt wie nie zuvor", Capital Bra & Samra) "Bitch, zwölf Mille in der Levis. Dein Ex ist 'n Hundesohn, der freestylt." ("Dein Ex", Manuellsen) "Sie macht Sport, ja, sie hat gute Kondi. Kleine Bitch reitet so wie ein Pony." ("Ponny", Yung Hurn) "Buche Bitches mit guten Titten. Ich will sie nach dem Shooting ficken" ("Stier", Farid Bang) "'N schicker Schlitten und obwohl er nicht mal deutsch ist. Selbst die Bitches lieben Skittlez und der Hundesohn, er freut sich" ("Honda Civic", Bones MC & The Cratez).

Fler hat neben Frauenfeindlichkeit auch homophobe Zeilen zu bieten: "Baby, dein Arsch, er ist nice in den Leggins. Warum chillst du mit den Faggots?" ("Shirinbae", Fler). Und Kollegah bekam erst kürzlich die Negativ-Auszeichnung "Sexist Man Alive" für Texte wie: "Ich schick' deine Mama nicht auf den Kiezstrich, du Ehrenloser. Leider hat das Vieh nix zu bieten wie Arizona", ("Alphagenetik", Kollegah) und Antisemtismus-Vorwürfe, da Farid Bang auf dem gemeinsamen Song "0815" unter anderem rappte: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen." ("0815", Kollegah und Farid Bang).

Prinz Pi immerhin, der bereits mit Kollegah gemeinsam auf Tour war, scheint sich indes tatsächlich vom Prinz Porno, wie er sich früher nannte, zum Traumprinz gewandelt zu haben. Dem AD Magazin zeigt er im Oktober seine Wohnung, gesteht die Liebe zu seiner Familie, seinen Büchern und zu seinem Pizzaofen. Vielleicht also mittlerweile einfach zu weit weg von der Hip-Hop-Szene? In seiner neuen Single rappt er zumindest bodenständig: "Die andern wollen immer wegfahren. Warum wohnen sie eigentlich hier? Die wollen random mit wem Sex haben. Ich will immer nur zu dir." ("Immer nur zu dir", Prinz Pi).

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