Alben der WochePoledance im Kunstmuseum

FKA Twigs erschafft elegische Sound-Gemälde, Max Herre fährt die Balkanroute rückwärts und Voodoo Jürgens bleibt lieber im weinseligen Beisl.

Von den SZ-Popkritikern

Westernhagen - "Das Pfefferminz-Experiment" (Polydor)

Marius Müller-Westernhagen hat sich noch mal das Album vorgenommen, mit dem er vor 40 Jahren bekannt wurde, "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz". Er hat die Lieder alle neu eingespielt, in einem Studio in Woodstock, das Ergebnis nennt er "Das Pfefferminz-Experiment". Schöne Ausnahme in Zeiten, in denen andere allen Ernstes live ihre größten Alben so originalgetreu wie möglich runterspielen. Der Mann ist jetzt 70, die neue Version fällt erwartungsgemäß ruhiger aus als das Original. 1978 grölte und nölte er sich durch hektische Rock'n'Roll-Songs wie "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" und "Oh Margarete", die bringt er jetzt betont entspannt, mit behutsamen Folk-Gitarren und viel Luft zwischen den Tönen. Da schimmert immer so ein "Paris, Texas"-Gefühl durch, man soll bitte gern hören, dass das Album in Amerika auf dem Land entstanden ist. Bei manchen Liedern geht das nicht so gut auf, "Dicke" war einst eine Provokation, jetzt wird eine Art Parodie der Parodie draus. Aber dem Alkohol-Song "Johnny Walker" steht die Stimme des älteren Herrn sehr gut. Sollten sich mehr Sänger trauen, so was. Von Max Fellmann

8. November 2019, 04:592019-11-08 04:59:05 © SZ.de/qli