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Slavoj Žižek und Jordan Peterson:Kapitalismus als beste unter den schlechten Wirtschaftsordnungen

Der konservative Psychologe und Individualist Peterson, dem mit dem Selbsthilfebuch "12 Rules for Life" im vergangenen Jahr ein Weltbestseller gelang, ist schlicht der Ansicht, Probleme ließen sich nicht lösen, wenn - wie auf der Linken - der Mensch immer nur nach äußeren Gründen für sein Unglück suche und damit sein Leben aus der Hand gebe. Passend dazu ist er der Ansicht, dass das aktuelle Handeln des Menschen, insbesondere natürlich in seiner Funktion als Unternehmer, viel besser als sein linker Ruf ist. Der Kapitalismus ist ihm dabei aber auch nur die beste unter den schlechten Wirtschaftsordnungen. Die Möglichkeit des Menschen, ein grundsätzlich besserer zu werden, sieht er entsprechend skeptisch. Schon der dieser Idee unterliegende Moralismus, der Menschen letztlich allzu leicht in gute und schlechte aufteilt, behagt ihm nicht.

Mit dem Moralismus ist Slavoj Žižek natürlich nicht zu kriegen, der ist ihm selbst zu weich und selbstgerecht. Als er aber seinen Begriff von Gleichheit skizziert, lässt er sich schon sofort zum linken Idealismus gruppieren, zu denen, die Probleme eher externalisieren, was immer dann näher liegt, wenn man der Ansicht ist, dass zuerst Äußeres (die Verhältnisse) den Menschen davon abhält, sein Potenzial zu verwirklichen. Žižek sagt also, dass Gleichheit für ihn bedeute, "für so viele Menschen wie möglich einen Raum zu kreieren, in dem sie ihre unterschiedlichen Potenziale entwickeln können". Dem Kapitalismus, wie wir ihn kennen, gelinge dies nicht, weil er uns im Namen des Profits zu gleich mache und dadurch zu viele Talente vernichte.

Sicherer wirkte Žižek in der Debatte von Toronto wieder da, wo er mit einem klugen ideologiekritischen Kniff allen Seiten die Leviten lesen konnte: "Die Geschichten, die wir uns über uns erzählen, um zu rechtfertigen, was wir tun - und das nenne ich Ideologie - sind ein fundamentale Lüge." Genau so sei es auch mit der Obsession der Neuen Rechten - in den USA: "Alt-Right" - gegenüber dem, was sie "kulturellen Marxismus" nennen: "Die Alt-Right weist ihn zurück, weil sie sich nicht der Tatsache stellen will, dass die Phänomene, die sie als Effekte der kulturmarxistischen Erzählung bezeichnet - den moralischen Niedergang, die sexuelle Promiskuität, Konsumhedonismus - eigentlich das direkte Ergebnis kapitalistischer Gesellschaften sind." Der "kulturelle Marxismus" spiele für sie dieselbe Rolle, so Žižek, wie einst der Antisemitismus für die Nazis: "Er ist der Sündenbock für systemimmanente Spannungen."

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Trump als "liberaler Fetisch"

Ebenso fragten aber auch Liberale nie ernsthaft, wie die liberale Gesellschaft ein Phänomen wie Donald Trump gebären konnte: "Trump ist ein liberaler Fetisch, damit sie sich nicht um die wirklichen sozialen Spannungen kümmern müssen." Die Liberalen übersähen, "wie ihre eigenen Fehler den Weg frei machten für Trumps patriotischen Populismus". Passenderweise wirkte Žižek dabei allerdings gar nicht triumphalistisch, und nur dem, der einen Boxkampf mit Knock-out erwartet hatte, weil er es gern so einfach und so konfrontativ wie möglich hat, konnte das entgehen.

Mit anderen Worten: Wie schön wäre es, wenn genau in diesem Langstrecken-Format ganz bald weitere intellektuelle Duelle vor großem Publikum stattfänden, auch und gerade in Europa und Deutschland. Es kann gerade eigentlich nicht genug davon geben. Viel zu viele Grundlagen unseres Denkens und Handelns stehen infrage, die nicht nach narzisstischem Talkshow-Ping-Pong verlangen, sondern nach so langen und ernsthaften Diskussionen, wie es diese zwischen Slavoj Žižek und Jordan Peterson im Kern war. Wenn man denn zuhören und ernsthaft nachdenken wollte.

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