Oscar-Verleihung:Oscars ohne Impfpflicht

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Oscar-Verleihung: Eine Oscar-Statue vor dem Dolby Theatre am Hollywood Boulevard. Hier reicht am 27. März ein negativer Test.

Eine Oscar-Statue vor dem Dolby Theatre am Hollywood Boulevard. Hier reicht am 27. März ein negativer Test.

(Foto: Matt Sayles/dpa)

Wer in Hollywood zum Friseur geht, braucht einen Impfnachweis. Aber bei der Oscar-Verleihung ist das nicht notwendig. Ein Regelwirrwarr in Los Angeles macht's möglich.

Von David Steinitz

Wenn man in Los Angeles derzeit ins Restaurant oder zum Friseur gehen will, muss man ein Impfzertifikat vorweisen. Auch an der Kinokasse ist das Pflicht. Trotzdem will die amerikanische Filmakademie für die Oscarverleihung am 27. März eine Gesetzeslücke nutzen, um den Impfnachweis zu umgehen, wie das Branchenmagazin Variety berichtet. Für die eingeladenen Stars soll es die Option geben, entweder eine Impfung oder auch nur einen negativen Covid-Test vorzuweisen, wenn sie über den roten Teppich ins Dolby Theatre am Hollywood Boulevard kommen.

Logisch klingt das nicht, weil in einem Restaurant oder einem Kinosaal die strengeren Regeln gelten, obwohl dort deutlich weniger Leute zusammenkommen als bei einer Großveranstaltung wie den Oscars. Aber ein etwas wirres Nebeneinander von Vorschriften in Los Angeles macht das rechtlich durchaus möglich. Eigentlich sind die Regeln in der Stadt streng, strenger sogar als in manch anderen Teilen von Kalifornien. Der Stadtrat von L.A. beschloss im November, dass die meisten Veranstaltungen in Innenräumen, ähnlich wie in Deutschland, den Geimpften vorbehalten sind. Also zum Beispiel Theater, Kinos, Konzerthallen, Fitness- und Yogastudios, Einkaufszentren und so weiter. Ausnahmen gibt es nur in wenigen Fällen, zum Beispiel wenn jemand aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann.

Wenige Menschen auf engem Raum bedeutet Impfpflicht. Viele Menschen auf engem Raum bedeutet keine Impfpflicht

Das Gesetz hat aber auch einen Passus, der besagt, dass die Regeln der Stadt im Zweifelsfall hinter den Regeln einer höher gestellten Regierungsebene, also zum Beispiel des Landes Kalifornien oder des Bundes, zurückstecken müssen - selbst wenn diese Regeln weniger streng sein sollten.

Kalifornien und das Los Angeles County haben tatsächlich eine spezielle Regelung für sogenannte Mega Events. Wenn mindestens 500 Menschen in Innenräumen (oder mindestens 5000 Menschen draußen) für eine Veranstaltung zusammenkommen, kann optional ein Impf- oder Testnachweis erbracht werden. Diese Regel soll bereits beim Superbowl im kalifornischen Inglewood zum Einsatz kommen und dann Ende März auch bei den Oscars. Zugelassen sind entweder ein PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, oder ein Antigen-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden ist.

Auch ob die Oscar-Gäste eine Maske werden tragen müssen, ist noch nicht klar. Kalifornien will die Maskenpflicht in Innenräumen vielleicht schon Mitte Februar abschaffen. Ob und wann das L.A. County und die Stadt Los Angeles nachziehen könnten, wird derzeit noch diskutiert.

Bis dahin wird in Hollywood gestritten, ob die Impfnachlässigkeit der amerikanischen Filmakademie eine gute Idee ist. Nicht nur aus Gründen der Ansteckung, sondern auch aus Image-Gründen. Denn die Academy hatte in den letzten Jahren schon genug andere Probleme am Hals. Ihr wurde mangelnde Diversität vorgeworfen, die Einschaltquoten bei der TV-Übertragung der Oscars sind im Keller. Und jetzt könnte auch noch die Impfgeschichte am Glamour kratzen.

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