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Nachtleben in Berlin:"Es ist nichts mehr finanzierbar"

Symbolbild zu Tanzverbot an den stillen Feiertagen

Clubs wie der "Tresor" machen das Berliner Nachtleben einzigartig, sind aber immer mehr bedroht. Nun geht der Senat gegen das Clubsterben vor.

(Foto: dpa)
  • Das Berliner Nachtleben steht durch explosiv steigende Mieten vor einer großen Bedrohung.
  • 170 Millionen Euro Umsatz erzielen die gut 280 Clubs und Veranstalter im Jahr.
  • Seit 2018 fördert der Senat den Lärmschutz in ausgewählten Lokalen, für die kommenden zwei Jahre sind gerade eine Million Euro bewilligt worden.

Einer der Exportschlager Berlins ist ein kleiner Aufkleber. Vom Umfang eines Daumennagels. Hat man die meist sehr lange Warteschlange vor dem Kitkat-Club oder dem Tresor passiert, macht damit ein meist gewichtiger Mann die Linse der Handykamera unbrauchbar. So gesehen ist der Aufkleber fast eine Verheißung. Denn wo nicht fotografiert werden darf, ist eine gute Clubnacht zu erwarten.

Erfunden wurde das praktizierte Bilderverbot mutmaßlich im legendären Berghain, inzwischen gilt es im Blitz in München genauso wie im Robert Johnson in Frankfurt am Main. Doch während das Merchandising des Berliner Nachtlebens läuft, droht der Kern zu erodieren: Zahlreichen Berliner Clubs droht das Aus.

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"Es gibt wirklich keine Ausweichräume mehr"

Im vergangenen Jahr erwischte es nach zwölf Jahren den Bassy Cowboy Club in Prenzlauer Berg, im November hieß es, dass der Kitkat-Club und der Sage Club, zwei Traditionsbetriebe, bald aufgeben müssten. Betroffen ist auch die Griessmuehle, ein Techno-Club in Neukölln, der zuletzt nur noch einen Mietvertrag für ein halbes Jahr bekommen hat; Ende Januar läuft der aus. Auf dem Grundstück, auf dem die Griessmuehle liegt, sollen Büros gebaut werden.

Nun ist das Clubsterben in Berlin kein neues Phänomen, das Nachtleben in der Stadt verändert sich seit der Techno-Nachwendezeit ständig. Immer wieder schließen Lokale und machen an anderen Orten wieder auf. Doch die explosiv steigenden Mieten drohen das Nachtleben nun abzuwürgen. "Es gibt wirklich keine Ausweichräume mehr, es ist nichts mehr finanzierbar", sagt Lukas Drevenstedt. "Wir müssen jeden Ort halten." Drevenstedt ist Geschäftsführer der Clubkommission, einer Interessenvertretung der Berliner Clubbetreiber. Gerade versuchen sie mit dem Besitzer des Griessmuehle-Grundstücks zu sprechen, um den Mietvertrag zu verlängern. Drevenstedt geht es darum, "die Unabhängigkeit und die Vielfalt" der Clubs zu erhalten.

170 Millionen Euro Umsatz und 9000 Angestellte

Dass es sich dabei nicht nur um das Freizeitvergnügen von ein paar Feierwütigen dreht, zeigt die Studie "Clubkultur Berlin". Die gut 280 Clubs und Veranstalter machen demnach 170 Millionen Euro Umsatz im Jahr und beschäftigen gut 9000 Angestellte. Viel wichtiger aber sei das Nachtleben als Anlass, die Stadt zu bereisen. Mitsamt Restaurantbesuchen, Hotel- oder Taxikosten brächten die Clubs Jahr für Jahr anderthalb Milliarden Euro nach Berlin.

"Nicht jede Schließung eines Clubs ist ein Weltuntergang", sagte Berlins Kultursenator Klaus Lederer von der Linken kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. "Aber wenn sich ein allgemeiner Trend zeigt, dass Clubs aus dem Stadtbild verschwinden, dann muss Kulturpolitik auch versuchen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen." So fördert der Senat seit 2018 den Lärmschutz in ausgewählten Clubs, für die kommenden zwei Jahre sind gerade eine Million Euro bewilligt worden.

13 Lokale sind derzeit in dem Programm, das mehr als nur ein paar Schaumstoffmatten umfasst. Schallschleusen gehören dazu, und bald sind Schallauslöschungsanlagen denkbar, die wie Geräuschunterdrückung an Kopfhörern funktionieren. Vielleicht ein neuer Exportschlager - Barcelona interessiert sich jedenfalls schon für die Initiative des Berliner Senats.

© SZ vom 08.01.2020/sikt
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