Lieder gegen den Kapitalismus (Teil I) Bob Dylan - The times they are a changin' (1963)

Bob Dylan und Joan Baez

(Foto: Globe Photos / Intertopics)

Bob Dylan war in seinem langen Leben bisher so ziemlich alles, was ein Mensch sein kann. Also war er auch mal Kapitalismuskritiker und er ist es, wenn auch in einer eher vagen Ausprägung, bis heute. Danach und dazwischen war er geretteter Christ, Country-Barde, Elektrorocker, Großdichter, Westernheld, Desaparecido, Liebhaber sowie weise Krähe.

In den ersten Jahren seiner Karriere aber war der junge, milchbärtige Dylan das, was man sich unter einem Protestsänger in den Sechzigern archetypisch vorstellte. Er war, wie seine zeitweilige Loverin Joan Baez 1975 sang, the unwashed phenomenon, the original vagabond - das ungewaschene Phänomen, der Ur-Vagabund. Und auch, weil Dylan den alten Country-Sozialisten Woody Guthrie sehr bewunderte, waren seine ersten LPs von einer linken, bürgerrechts- und friedensbewegten Anti-Establishment-Grundhaltung getragen. Manche seiner frühen Songs wurden Hymnen der Protestmarschierer der Sechziger Jahre, etwa "The times they are a changin" (1963) oder natürlich seine Version von "Blowin' in the wind" (1962). Kein anderer Songschreiber hat in diesem Sinne so sehr politisch gewirkt wie damals Dylan - obwohl er selbst dezidiert kein Aktivist sein wollte.

Einer seiner bedeutendsten Songs aus dieser Phase ist "Masters of War", erschienen auf der LP "The freewheelin' Bob Dylan" (1962), die zu den wichtigsten Platten des 20. Jahrhunderts zählt. "Masters of War" ist ein poetischer Hassgesang gegen Kriegstreiber und Waffenhändler. "You that never done nothin' / but build to destroy / you play with my world / like it's your little toy" - Kerle, die unsere Welt als ihr Spielzeug betrachten und nur produzieren, um zu zerstören.

Dylan findet immer wieder neue Bilder, mit denen er die Verwerflichkeit dieser Masters of War beschreibt: Sie lügen wie Judas und behaupten, man könne einen Weltkrieg gewinnen; sie verstecken sich in ihren Villen und schauen zu, "when the death count gets higher"; sie erzeugen die schlimmste Angst, nämlich die Angst davor, Kinder in diese Welt der Masters of War zu setzen. Am Ende des Songs wird Dylan so deutlich wie selten: "And I hope that you die / and your death'll come soon". Er wünscht den Masters of War nicht nur den Tod, sondern will ganz sicher sein: "And I'll stand over your grave/ 'til I'm sure that you're dead".

Kurt Kister

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