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Machtlose Kunst:Ohne Chance gegen Koons und Ku-Klux-Klan

France Jeff Koons

Mit der Errichtung der Skulptur "Bouquet of Tulips 2016" von Jeff Koons ist in Paris nicht jeder einverstanden. Hier posiert der Künstler vor Illustrationenen seines Werks.

(Foto: Michel Euler/AP)

Das Magazin "Hyperallergic" hat die 20 machtlosesten Figuren der Kunstwelt aufgelistet. Besonders häufig vertreten: Künstler, die mit Donald Trump in Verbindung gebracht werden.

Die Listen der bedeutendsten Personen der Szene sind gerade abgearbeitet, da legt das Internet-Magazin Hyperallergic eine neue Rangfolge vor: "The Powerless 20", die Liste der zwanzig einflusslosesten Persönlichkeiten der Kunstwelt.

"Ihr könnt Eure Promis, Oligarchen und Netzwerker behalten", schreiben die Macher, "wir ziehen es vor, unsere Welt jenseits der Luxusblasen und Statusspielchen zu entfalten."

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Tatsächlich ist wohl kaum einer weiter entfernt von den Rangeleien der herkömmlichen "Power-Lists", wie sie von Kunstmagazinen und Anlageberatern ausgeklüngelt werden, als die Einwohner der Stadt New Orleans, die von Hyperallergic auf Platz eins gesetzt wurden.

Deren Stadtrat hatte dafür gestimmt, Denkmäler, die Figuren weißer Vorherrschaft feiern, abzubauen. Doch anscheinend scheiterten sie an der Denkmalbehörde. Was in den USA offensichtlich keine Ausnahme ist, in Memphis darf die Stadtverwaltung gerade auch nicht ein Monument des ersten Vorsitzenden des Ku Klux Klans demontieren.

Zwei Pariser Museumsdirektoren, Fabrice Hergott und Jean de Loisy, teilen sich den sechsten Platz, auch wegen eines Monuments, das sie nicht demontieren dürfen, obwohl es direkt vor ihrer Tür steht.

Offensichtlich hat niemand sie davon unterrichtet, dass zwischen dem Palais de Tokyo und dem städtischen Museum für Moderne Kunst eine gewaltige Blumenskulptur von Jeff Koons einbetoniert werden soll.

Fake News? Die Kunstwelt mit ihren Auktionen leidet schon lange an dieser Plage

Im Mittelfeld rangieren die Einwohner des westlichen Asiens, seien sie Syrer, Jesiden, Kurden oder Palästinenser, "die ihr Land und seine Denkmäler konfisziert, zerstört und ausgelöscht sehen müssen", schreibt Hyperallergic. "Fremde Terroristen (darunter auch ISIS) haben zu diesem Chaos durchaus beigetragen, aber die örtlichen Regierungen (die Türken, Araber und Israelis...) sind häufig genug die schlimmsten Täter."

Dass die türkische Kunstszene unter dem Einfluss der Regierung von Recep Erdoğan leidet, verschafft ihr den 16. Platz. Ein Foto erinnert daran, dass der Anschlag auf den russischen Botschafter in einer Istanbuler Galerie stattfand, der Text erwähnt auch Absagen von Ausstellungen und die Verfolgung von Künstlern wie Pınar Öğrenci und Atalay Yeni nach Friedensmärschen im vergangenen Jahr.

Eher summarisch werden die Rolle der Künstler in der Gesellschaft und der Einfluss von Kunst-Journalisten und Kritikern abgehandelt, die etwas blass auf Platz 18 und Platz 13 gesetzt wurden.

Erstere, weil der boomende Kunstmarkt sie nicht an den Wertsteigerungen für ihre Werke beteiligt, auch wenn diese auf Auktionen Millionenwerte erzielen. Letztere, weil sie nicht einmal mehr diese Preise verifizieren können. "Es ist so häufig die Rede von Fake News in diesen Tagen. Aber die Kunstwelt leidet schon lange an dieser Plage. Verkaufspreise auf Messen? Es gibt keine Möglichkeit, diese jemals zu verifizieren."

Pech gehabt! Wer mal für Trump arbeitete, dessen Name ist nun mit seinem Aufstieg verbunden

Weil solche Listen im Grunde Leitartikel oder Kommentare sind, die das Geschehen des vergangenen Jahres in Namen und Thesen zusammenfassen, sind die wichtigsten Neuzugänge über drei Plätze verteilt.

Auf Platz 5 stehen die "Anti-Trump-Künstler", von denen einige nach der Präsidentenwahl sofort von Kunstmessen wie der Red Dot Art Fair in Miami ausgeladen worden seien.

Machtlos sind auch David Hammons (Platz 9) und eine Gruppe namenloser Architekten (Platz 19). Warum? Weil sie alle, ohne es zu wollen, mit dem Aufstieg von Donald Trump in Verbindung gebracht werden können.

Der Fall von David Hammons ist dabei besonders ungerecht. Hammons, einer der prominentesten Künstler der USA und einer der am höchsten gehandelten schwarzen Künstler der Welt, ist mit seiner politisch konnotierten Kunst zwar weit entfernt vom Rassismus des neu gewählten Präsidenten. Doch gehört Steve Mnuchin, der Sohn seines Galeristen, zum engsten Kreis um Donald Trump.

Die Architekten und Designer, die auf dem vorletzten Platz landeten, teilen Hammons' Schicksal. Sie haben in der Vergangenheit für Trump gearbeitet, ihr Name sei nun mit seinem Aufstieg verbunden: "Was einst aussah wie ein harmloser Kontrakt mit einem clownesken Geschäftsmann, wird jetzt im Lebenslauf aussehen wie die Kooperation mit einer der umstrittensten Figuren der jüngeren Geschichte."