Comic über Ludwig II.:Die Stute und der König

Comic über Ludwig II.: Auf gleicher Wellenlänge: Ludwig II. und sein Leibreitpferd Cosa Rara.

Auf gleicher Wellenlänge: Ludwig II. und sein Leibreitpferd Cosa Rara.

(Foto: Rowohlt Verlag)

Beide wollen eigentlich nur spielen: Miguel Robitzky erzählt von Ludwig II. aus der Perspektive seines Leibreitpferdes.

Von Aurelie von Blazekovic

"Kunstvoll präpariert" steht die echte Cosa Rara heute im Marstallmuseum in Nymphenburg, so ist es im Blog der Bayerischen Schlösserverwaltung nachzulesen. Cosa Rara, eine Schimmelstute, war keine Geringere als das liebste Reitpferd von König Ludwig II. Sie gehört also zu den wenigen Pferden der Geschichte mit einer gut nachvollziehbaren Biografie. 1863 in England geboren, wurde Cosa Rara sechsjährig, im Juni 1869, für König Ludwig II. angekauft. Mit dem Märchenkönig verbrachte sie etwa zehn gemeinsame Jahre, versüßte ihm wohl einige der nächtlichen Ausritte, die er so schätzte.

Erhalten aus der gemeinsamen Zeit von Ross und Reiter ist etwa diese Anekdote, verewigt in einem Ölgemälde von Friedrich Wilhelm Pfeiffer: Ludwig II. ließ seine Cosa Rara bei Schloss Linderhof mal an einem menschlichen Mittagessen teilhaben. Herangeführt an einen gedeckten Tisch schnüffelte das Pferd, vermutlich wenig begeistert, an Braten und Rotwein. Der König soll sich köstlich amüsiert haben.

Ein Pferd namens Cosa Rara also, namentlich schon eine merkwürdige Sache, ist eine bisher übersehene Wegbegleiterin und Spielgefährtin des extravaganten Königs. In Miguel Robitzkys "Mein Leben unter Ludwig II." rückt sie nun ins Licht des schon gut ausgeleuchteten Lebens von Ludwig. Die Graphic Novel, die "Memoiren eines Leibreitpferdes", erzählt rund um die echten historischen Eckpfeiler die Geschichte eines Pferdes und eines Königs, die beide ein großes Erbe antreten müssen - aber eigentlich nur spielen wollen. Cosa Rara würde gerne tanzen, muss aber Leibreitpferd werden (der Urgroßvater ist Condé, das Pferd von Friedrich dem Großen). Ludwig wäre gern Wagners Lohengrin, der Schwanenprinz, muss aber König sein (der Urgroßvater ist Friedrich Wilhelm II., der Nachfolger von Friedrich dem Großen).

Der Autor und Karikaturist Miguel Robitzky (unter anderem für Titanic und das Autorenteam von Jan Böhmermann) illustriert humorvoll den Verfall des zunächst noch jugendlich durch die Schlösser springenden Ludwig. Seine Stute erkennt bald, dass sie diesem König nicht dienen muss, sondern helfen. Während Ludwig vergeblich versucht, sich aus Kriegen herauszuhalten und seine Schlösser, Venusgrotte und Pfauenwagen baut, will Cosa Rara ihn vor seinem Wahnsinn und den missgünstigen Ministern retten. Doch selbst das prachtvollste aller Pferde kann den König nicht zum Schwanenritter machen. Das tragische Ende der Geschichte ist bekannt, doch so lustig und liebenswert wie in diesem Comic war Ludwig II. bisher noch nicht.

© SZ/knb
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