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Konzertsaal-Debatte:Wie konnte das Wunder gelingen? Offenbar gerade durch die Sparvorgaben

Die Baustelle des neuen Konzertsaals in Bochum.

Die Baustelle des neuen Konzertsaals in Bochum.

(Foto: SZ.de)

Es gab Musik auf den Straßen der Stadt und für jede 10-Euro-Spende ein Dankeschön. Herbert Grönemeyer spielte ein Benefizkonzert im Ruhrstadion. In letzter Minute kamen noch drei Millionen Euro aus der Stiftung von Anneliese Brost hinzu, der Verlegerin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Die Stadt Bochum hingegen kann nur 2,4 Millionen Euro beitragen. Der Rest sind EU- und Landesmittel, die aber nur durch den Hebel des örtlichen Bochumer Einsatzes zu beschaffen waren. Bliebe die Frage, wie das Wunder von Bochum gelingen konnte?

Offenkundig gerade auch durch die rigiden Sparvorgaben, die knappen öffentlichen Kassen. Anstoß des Ganzen waren das Orchester und sein Dirigent Steven Sloane - der umtriebige Amerikaner, der seit zwanzig Jahren ans Ruhrgebiet glaubt, der für verschiedene große, moderne Festival-Projekte mit den Symphonikern viel Anerkennung bekam, der sich aber weder für den Abo-Normalbetrieb noch für ein Massensingen im Stadion zu schade ist. Und dazu die interessierten Bürger und Spender, die alle nicht lockerließen.

Auch nicht, als Bochum nach der Finanzkrise in den Nothaushalt rutschte und erst mal gar nichts mehr ging. In Münster hatte zur selben Zeit sogar ein Bürgerbegehren gegen ein neues Konzerthaus Erfolg gehabt. Auch in Bochum riefen manche Gegner: "Mittagessen statt Musik!"

Doch dann kam die zweite Stufe: Als das Vorhaben einmal politisch durchgesetzt war, auch bei der SPD-Mehrheit im Stadtrat - was alles andere als einfach war -, fingen alle an, es zu ihrer Sache zu machen. Die Stadt übernahm selbst die Bauherrschaft. Alle setzten sich zusammen, damit auch in der Ausführung des Baus der rigide Kostenrahmen eingehalten wurde. Das hieß: Abspecken, soweit es noch für den Musikbetrieb vertretbar war.

Trotz des Sparzwangs wird nichts Wesentliches fehlen

"Trotz einiger Verzweiflungsschreie des Generalmusikdirektors", erzählt der Kulturdezernent der Stadt, Michael Townsend, "übe ich hier die Kettenhundfunktion aus."

Der städtische Bauleiter sagt beim Rundgang: "Wir müssen hier mit den geringsten Mitteln das Maximale rausholen." Man ist sparsam, und doch wird nichts Wesentliches fehlen: vom Notenarchiv bis zu den Stimmzimmern der Musiker. Und bald wird die Stadt, die mitten im schmerzhaften Strukturwandel steckt, stolz sein auf ihr Musikzentrum.

In München sagen jetzt einige: Aber wir sind doch nicht in Bochum! Das ist wohl wahr.

© SZ vom 17.02.2015/rus
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