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Klassentreffen mit Al Pacino:Zu viel für den guten Geschmack

Neben Pacino, der auf einem eigens gezimmerten Tony-Montana-Thron sitzt, hat Steven Bauer Platz genommen. Er war Pacinos rechte, kubanische Hand. Auch Martin Bregman, der Produzent, ist anwesend, Robert Loggia, Tonys Gegenspieler und Boss, und sein Drogen-Adjutant F. Murray Abraham, der Mann mit dem übelsten Gesicht der Welt.

Release Of 'Scarface' On Blu-ray - After Party

Selige Erinnerungen: Al Pacino in LA auf dem Tony-Montana-Thron, neben ihm Steven Bauer.

(Foto: AFP)

"Scarface", da ist man sich einig, war damals zu viel für den guten Geschmack. "Hollywood mochte den Film nicht", erinnert sich Abrahams. Selbst De Palma-Verfechterin Pauline Kael schrieb, der Film sei eine "Allegorie auf Impotenz". Die Koks-Berge waren wohl zu hoch, die Gewaltszenen zu drastisch. Steven Bauer erzählt von Agenten in Hollywood, die unangenehm wurden, sobald der Film draußen war. Pacino kann sich an ähnliche Lästereien auf Parties erinnern. Doch der Film hat überlebt.

Pacino bedankt sich heute Abend bei denjenigen, die "Scarface" dreißig Jahre am Leben erhielten. "Die HipHop-Gemeinde hat Scarface gerettet. Und ich glaube, jeder kann sich mit Tony Montana identifizieren", sagt er.

In der Tat: Tony genießt unter Rappern bis heute die tiefste Verehrung. Snoop Dog schaut sich "Scarface" mindestens einmal im Monat an, Sean "Diddy" Combs hat den Film nach eigenen Angaben 63-mal gesehen, Shaquille O'Neil feierte seinen 34. Geburtstag mit einer "Scarface"-Sause, Kanye West bekennt sich zum Montana-Tum. Und später auf der Party tritt dann Ludacris auf, mit seiner eigenen "Scarface"-Hommage.

Die Beliebtheit in der Hip-Hop-Welt ist nicht erstaunlich. Der Film erzählt heute noch davon, dass man als Immigrant oder als Lehman Brother im Prinzip dieselbe Gier besitzen muss, um in Amerika zu überleben. Mit dieser sehr persönlichen Angelegenheit Gier muss man zurechtkommen. Und wenn die Gier alle Grenzen überschreitet, ist das ein ebenso persönliches Problem. Davon handelt "Scarface".

"Fuck"-Rekord

Einflussreich war der Film noch auf andere Art. Bis heute hält er den "Fuck"-Rekord. Das Wort wird alle 1,32 Minuten benutzt, insgesamt 226-mal. Ein ähnlich schönes, vulgäres Narco-Märchen hat es seitdem einfach nicht mehr gegeben. Das Film-Kokain, so heißt es, bestand übrigens nur zum Teil aus getrocknetem Milchpulver.

Draußen vor der Tür des Belsaco-Theaters warten noch immer die nächsten Tony Montanas, die Jungs aus der Nachbarschaft. Man weiß ja nie. "Vielleicht kommt er raus, zu uns." Einer trägt ein Armband mit der Aufschrift "The world is yours" - Tony Montanas Motto, verewigt auf einer unfassbar kitschigen Skulptur im Film. Die Jungs vor der Tür wissen es genau: Wenn ihnen eines Tages die Welt gehören soll, ist Tony Montanas Weg der einzige, der ihnen offensteht.

© SZ vom 30.08.2011/pak
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