Neu in Kino & Streaming:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

Neu in Kino & Streaming: Szenen einer Ehe: Jacob Elordi als Elvis Presley und Cailee Spaeny als "Priscilla", in dem Film von Sofia Coppola.

Szenen einer Ehe: Jacob Elordi als Elvis Presley und Cailee Spaeny als "Priscilla", in dem Film von Sofia Coppola.

(Foto: Sabrina Lantos/Mubi)

Sofia Coppola erzählt, wie Elvis Presley als Ehemann war, und Juan Antonio Bayona zeigt, wie abgestürzte Flugpassagiere zu Kannibalen wurden. Die Starts der Woche in Kürze.

Von Sofia Glasl, Josef Grübl, Joachim Hentschel, Tobias Kniebe, Doris Kuhn, Annett Scheffel und Philipp Stadelmaier

Im toten Winkel

Sofia Glasl: Filmdreh, Handyvideos, Überwachungssysteme: Kameras halten in einer Kleinstadt im Nordosten der Türkei eigentlich alles fest - und doch bleibt das Wesentliche verborgen. Der blinde Fleck in diesem Film ist nicht weniger als das kollektive Trauma der kurdischen Bevölkerung - von der türkischen Regierung totgeschwiegen, verdrängt und aus dem Blickfeld geräumt. In drei Kapiteln verschachtelt die deutsch-kurdische Filmemacherin Ayşe Polat die Perspektiven eines Filmteams, eines Spions, einer Dolmetscherin und eines kleinen Mädchens zu einem klugen Thriller zwischen Sozialdrama, Gangsterfilm und Mystery-Horror.

Der Junge und der Reiher

Philipp Stadelmaier: Anime-Übervater Hayao Miyazaki kehrt aus dem Ruhestand zurück und stellt sich die Frage: Wer soll eigentlich sein Erbe antreten? Vielleicht ja der junge Mahito, der im Zweiten Weltkrieg mit seinem Vater aufs Land zieht und in einem alten Turm den Eingang in fantastische Welten entdeckt, die jenen des japanischen Animations-Altmeisters ähneln. Über dessen Schöpfungen schwebt in diesem Film-Testament jedoch der Hauch des Todes - und die Frage, ob die heutige Jugend nicht andere Sorgen hat.

Next Goal Wins

Josef Grübl: Das neue Jahr beginnt mit guten Vorsätzen, die oft mit Tabak, Alkohol oder Gewichtsverlust zu tun haben. Oder mit allem zusammen, plus Sport: Das sichtlich unfitte Fußballteam eines pazifischen Inselstaates möchte auch einmal ein Tor schießen und engagiert einen neuen Trainer (Michael Fassbender), der aber auch schon bessere Tage gesehen hat. Das Genre des Sportfilms ist ohnehin überraschungsfrei, dieser Film von Taika Waititi scheint aber ohne eine einzige neue Idee auskommen zu müssen. Dabei sein ist eben alles, alle sollen sich wohlfühlen. Darauf können sich auch Sportmuffel mit halbgaren Neujahrsvorsätzen einigen.

Priscilla

Joachim Hentschel: Das Gegengift zu Baz Luhrmanns Elvis-Epiphanie von 2022: Sofia Coppola verfilmt die Autobiografie von Presley-Gattin Priscilla, zeigt Szenen einer Ehe aus der Graceland-Villa im gewohnt ausstattungsverliebten, milchig beleuchteten Stil. Elvis selbst ist meistens abwesend, im Zentrum stehen Einsamkeit und Frustration der Protagonistin. Die seelische Gewalt, die Priscilla hier erfährt, machen die Bilder jedoch kaum sicht- und erlebbar. Ein düsterer Stoff, der Coppolas postfeministisches Emotionskino an seine Grenzen bringt.

Role Play

Doris Kuhn: Kaley Cuoco aus der Serie "Big Bang Theory" spielt hier eine Auftragsmörderin, die in ihrer Branche hohes Ansehen genießt, bei Tricks und Rollenspiel ist sie effizienter als Männer mit Pistolen. Ihre Kinder und ihr Ehemann allerdings wissen nichts von ihrem Tun, das macht die Familie verletzlich für plötzlich auftretende Killer-Konkurrenz. Thomas Vincent zeigt die Frau in ihrem Job angenehm selbstverständlich, ohne Glamour oder Ironie, und entwirft um sie herum einen schnellen, schlanken Actionthriller, der den meisten Genreklischees locker ausweicht.

Die Schneegesellschaft

Tobias Kniebe: Man muss nur das Stichwort "Kannibalismus im Eis" in den Raum werfen, schon ist eines der größten realen Überlebensdramen der Luftfahrt wieder präsent. Im Oktober 1972 stürzte ein Rugby-Team aus Uruguay in den Anden ab. Nach 72 Tagen ohne Nahrung, auf 4000 Meter Höhe, konnten noch 16 Menschen gerettet werden, die sich vom Fleisch der tiefgefrorenen Toten ernährt hatten. Hollywood hat das schon einmal sehr amerikanisch verfilmt, jetzt gibt der Spanier Juan Antonio Bayona der Latinowelt endlich ihre eigene Version. Packend und ungeschönt, und sehr nah an den realen Ereignissen. (Auf Netflix.)

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