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Hollywood-Star Matt Damon:Von Obama "tief, tief enttäuscht"

Er gilt als der perfekte Everyman unter den Hollywood-Stars, einer, der sich nie verändert hat, wie die Leute sagen, einer der, wie er selber sagt, "eine Zivilistin" geheiratet hat, nämlich die Barkeeperin Luciana Barroso aus Miami. Mit ihr hat er vier Töchter, drei von ihnen leiblich. Auch ein Grund, warum die Identifikation mit dem Publikum so gut funktioniert: Matt Damon wirkt nicht nur wie einer von ihnen, er hat sich in eine von ihnen verliebt.

Damon gilt ein Mensch mit sehr hohem sozialen IQ. Wie auf Knopfdruck stellt er kameradschaftliche Atmosphäre her, mit Kollegen, Journalisten, auf Filmsets, in Restaurants, in fast leeren Hotelzimmern. Er ist einer dieser Typen, bei denen man eine glückliche Kindheit vermutet, die Damon auch tatsächlich hatte; ein kleiner blonder Junge, der im sicheren Boston aufwuchs, Mitglied in der Theater-AG war. Seine Mutter war Professorin für frühkindliche Erziehung, sein Vater Börsenmakler. Er wurde viel gefördert, lernte Latein in der Schule, seine Mutter reiste mit ihm im Bus nach Mexiko und Guatemala, wo er weniger privilegierte Kulturen als seine eigene kennenlernte. Er sei, sagt er, ein sehr ehrgeiziger Schüler gewesen, bis die Schauspielerei dazwischenkam. Wie sein Freund Ben Affleck übernahm Matt Damon neben der High School Statistenrollen. Anfang 20 bekam er einen Studienplatz in Harvard. Parallel begann er, mit Affleck an dem Drehbuch für "Good Will Hunting" zu schreiben. Und wo das hinführte, wissen wir.

Damon ist politisch gebildet, er liest viel, sein Geist arbeitet schnell. Ein Überraschungs-Charismatiker, angenehm, aufmerksam, unneurotisch und meinungsstark. Von Obama ist er "tief, tief enttäuscht", wie er sagt - die meisten Hollywood-Stars würden sich solche Kommentare niemals trauen.

Eigentlich stand Matt Damon schon gar nicht mehr auf der Liste der großen Produzenten und Regisseure. Bis er als Jason Bourne in "Die Bourne Identität" besetzt wurde, einer Art härterem, unlackiertem James Bond. Der Film wurde ein Blockbuster, zog etliche Nachahmer und drei Sequels nach sich, das letzte, "Das Bourne Vermächtnis", ohne Matt Damon.

Die Ausflüge, die er sich stattdessen gestattete, waren ziemlich smart gewählt; er trug eine Fake-Fehde mit dem Showmaster Jimmy Kimmel aus, der in jeder Sendung ganz am Schluss behauptete, dass für Matt Damon leider, leider die Sendezeit nicht gereicht habe, worüber das Publikum jedes Mal wieder lachte. Er trat in zwei Staffeln einer der wohl lustigsten Serien der vergangenen zehn Jahre auf, als neurotischer, heulsusiger Pilot und Boyfriend von Tina Fey bei "30 Rock". Und mit einem Co-Autor schrieb er das Drehbuch zu "Promised Land", einem Film über Fracking, in dem er auch die Hauptrolle spielte. Zwischen dem Kampfmaschinen-Auftritt in "Elysium" und George Clooneys Nazikunst-Thriller sieht man ihn im Herbst auch noch als jugendlichen Lover des Entertainers Liberace (Michael Douglas) im Biopic "Behind the Candelabra". Und zwar im G-String.

Sein Kumpel Ben Affleck, der sich in den Nullerjahren dank Liaisons mit Gwyneth Paltrow und Jennifer Lopez tagtäglich auf Klatschseiten wiederfand, lebt nun ein ebenso gesittetes Familienleben wie Damon. Dessen Rolle im Liberace-Film kommentierte er mit den Worten: "Obwohl ich Matts Hintern schon etliche Male gesehen habe, war es schön, mal wieder ein Update zu bekommen." Besser ist das Phänomen Matt Damon nicht mehr zu beschreiben.