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Geschichtsklitterung in "Zero Dark Thirty":3. Gib dich dem Horror hin

Während der ersten Stunde präsentiert der Film Folterpraktiken mit geradezu pornografischer Lust am Detail. "Zero Dark Thirty" kopiert damit im Wesentlichen den Fetischismus, den die Spitzenfunktionäre der Bush-Regierung auf diesem Gebiet entwickelten. Cheney, der ehemalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Cheneys ehemaliger Generalstabschef David Addington und John Yoo vom Office of Legal Counsel stürzten sich, neben anderen, auf die Einzelheiten der "verbesserten Verhörtaktiken" und regelten bis ins Detail, welcher Grad von Misshandlung noch vertretbar ist und was nach 9/11 als Folter gelten kann und was nicht.

In Geheimgefängnis um Geheimgefängnis, an einem Opfer nach dem anderen zeigt der Film Folterungen in allen pikanten Einzelheiten. Bigelows Kamera scheint diese Grausamkeit zu genießen: Waterboarding, Stress-auslösende Haltungen, Schläge, Schlafentzug, der in Gedächtnisverlust und heftiger Desorientierung resultiert, sexuelle Erniedrigung, Einschluss in kleine Kisten und mehr.

Wann immer Bigelow Gelegenheit dazu hat, scheint sie uns deutlich machen zu wollen, dass diese Verstümmelungen und diese Brutalitäten seitens der Amerikaner nachvollziehbar, wenn nicht sogar lohnenswert sind. Das erinnert einen daran, dass sich dieses Sadismus-als-partiotische-Pflicht-Denken bis zu den Truppen an der Front durchsetzte, was 2004 die berüchtigten Fotos aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis belegten, auf denen amerikanische Soldaten feixend ihre Macht feierten, Gefangene in Hundehalsbändern zu erniedrigen und zu quälen.

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