Franz Marcs "Füchse" in Düsseldorf:Rückgabe von Raubgemälde stockt

´Füchse" von Franz Marc

Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Die "Füchse" von Franz Marc (1880-1916).

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Trotz offizieller Entscheidung warten die Erben des jüdischen Bankkaufmanns Kurt Grawi weiter auf die Restitution des Kunstwerks. Die Kritik an Düsseldorfs Oberbürgermeister wächst.

Von Catrin Lorch

Ronald S. Lauder, der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, hat sich in der Auseinandersetzung um die Restitution des Gemäldes "Füchse" (1913) von Franz Marc an den Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Stephan Keller, gewandt. "Mit großer Sorge wende ich mich heute an Sie", heißt es in einem Schreiben vom 15. September, das juristisches Vorgehen androht. Grund seien "mangelnde Fortschritte" bei der Rückgabe des Bildes, die "eklatante Untätigkeit seitens der Stadt ist einfach nicht akzeptabel".

Eigentlich schien es noch im Februar, als seien die jahrelangen Auseinandersetzungen um das Gemälde, das im Jahr 1962 als Schenkung des Sammlers Helmut Horten in die Städtischen Sammlungen kam und prominent im Museum Kunstpalast ausgestellt wird, mit einer Entscheidung der Limbach-Kommission abgeschlossen. Die empfahl die Rückgabe an die Erben von Kurt und Else Grawi. Dem jüdischen Bankkaufmann Kurt Grawi war es gelungen, bei seiner Flucht nach Südamerika in der NS-Zeit das Gemälde aus Deutschland herauszubringen und - in großer finanzieller Not - zu verkaufen. Weil ihm sein Bild jedoch nicht in Deutschland geraubt oder abgepresst wurde, fühlte sich die Stadt Düsseldorf im Recht gegenüber den Erben. Eine Strafanzeige gegen den Rat der Stadt Düsseldorf, den Kulturdezernenten und den Bürgermeister verzögerte die Rückgabe im Frühsommer dann noch einmal.

Die Erben von Kurt Grawi baten Düsseldorfs OB darum, das "Unrecht gegenüber unserer Familie" zu korrigieren

Obwohl die Ermittlungen bald eingestellt wurden, wartet die Familie allerdings immer noch auf die Übergabe, worauf die Schwiegertochter von Kurt Grawi in einem persönlichen Schreiben an Stephan Keller am 5. Juli hingewiesen hatte. Sie bat darum, das "Unrecht gegenüber unserer Familie, das über Jahrzehnte mit aller Macht auch von öffentlichen Stellen in Deutschland aufrechterhalten wurde", zu korrigieren. "Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich vorstellen können, wie enttäuschend das für mich ist und für meine Familie. Nun bin ich über 91 Jahre alt und ich würde gerne noch in dieser Lebenszeit die Restitution erleben", heißt es in dem handschriftlichen Brief.

Auf Anfrage der SZ teilte die Stadt Düsseldorf dann am 2. September mit, dass man "derzeit Rückgabevereinbarungen mit der Erbengemeinschaft" vorbereite. Tatsächlich scheinen die Kulturpolitiker allerdings auf der Suche nach Käufern für das Gemälde zu sein, damit es - als Leihgabe oder Schenkung - der Stadt erhalten bleibt. Dem Blumenstrauß, mit dem Stephan Keller sich bei der Erbin für ihren Brief bedankte, lag jedenfalls ein Gruß bei, in dem er "den großen Wunsch der Stadt Düsseldorf" ansprach, "mit Ihnen und Ihrer Familie eine Übereinkunft zu finden, die es erlauben würde, das besondere Gemälde auch in Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen". Schon weil die Erben in der Vergangenheit unmissverständlich deutlich gemacht hätten, so deren Anwalt Markus H. Stötzel, dass es ihnen nicht um Geld, sondern das Gemälde geht, ist das ein fragwürdiges Vorhaben.

Düsseldorfs Kulturpolitiker, die ihr Museum weiterhin mit den "Füchsen" schmücken möchten, sollten allerdings auch an den Ruf der Kunststadt denken. Denn Lauder, der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, droht mit rechtlichen Schritten, "um die Rückgabe des Gemäldes sicherzustellen". Das wäre ein außergewöhnlicher Vorgang - was ihm durchaus bewusst ist. "Im Falle einer Klage würde in ganz Deutschland und den Vereinigten Staaten bekannt werden, dass der Kunstpalast an NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut festhält. Das würde ein schlechtes Licht auf das Museum Kunstpalast und die Stadt Düsseldorf werfen. Ebenso könnte dies Leihgaben anderer Museen an den Kunstpalast erschweren."

© SZ/thba
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