ESC-Sieger Måns Zelmerlöw Dauerlächeln bis zum Triumph

Umstrittener Sänger, unumstrittener Sieg: Der Schwede Måns Zelmerlöw hat den ESC 2015 gewonnen.

(Foto: dpa)
  • Måns Zelmerlöw hat den ESC souverän gewonnen. Mehr als 60 Punkte lag er am Schluss vor der Zweitplatzierten, der Russin Polina Gagarina.
  • Zelmerlöw wollte schon früher zum ESC, ist jedoch zweimal an der Vorauswahl gescheitert.
  • In Schweden ist Zelmerlöw kein Unbekannter. Er taucht überall dort auf, wo es eine Bühne gibt. Er war unter anderem Teilnehmer bei einer Casting-Show, Gewinner von "Let's Dance" und Moderator.
  • Eine Delle bekam sein Image 2014. In einer Kochshow bezeichnete er Homosexualität als "abnormal".
Porträt von Paul Katzenberger

Mit dem Song "Heroes" zum Sieg

Es war ein Durchmarsch, den Måns Zelmerlöw am Abend des ESC-Entscheids in der Wiener Stadthalle hinlegte. Nur Russlands Polina Gagarina bot ihm in der ersten Hälfte des Abstimmungsmarathons mit ihrer Powerballade "A Million Voices" Paroli, doch nachdem Großbritannien als 27. von 40 Ländern abgestimmt hatte, war Zelmerlöw nicht mehr zu stoppen. Lag er mit seinem raffiniert choreografierten Titel "Heroes" zunächst nur knapp vor der Russin, so baute er den Vorsprung fortan kontinuierlich aus. Am Schluss war es eine klare Sache: 365 Punkte für Zelmerlöw, 303 Punkte für Gagarina - der 28-jährige Beau aus dem südschwedischen Lund ist der neue unangefochtene ESC-König.

Dabei ging in Zelmerlöws Karriere nicht immer alles so glatt wie an diesem Abend im 15. Wiener Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus. Als 18-Jähriger hatte er sogar riesiges Glück, als er den Tsunami überlebte, der an Weihnachten 2004 mehr als 200 000 Menschen in Thailand in den Tod riss. Doch Zelmerlöw, der mit seiner Familie in Khao Lak urlaubte, entkam der Katastrophe unbeschadet.

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Erst beim dritten Anlauf hat es mit dem ESC geklappt

Mit dem ESC sah sich Zelmerlöw bislang auch eher in tragischer Weise verbunden. Denn er hätte Schweden längst schon bei Europas Trällertreffen repräsentieren wollen: Bereits 2007 wurde er als Sieger des "Melodifestivalen" gehandelt, dem Wettbewerb, durch den Schweden seine ESC-Teilnehmer kürt. Doch er stolperte in der letzten Runde und belegte mit seinem Lied "Cara Mia" schließlich nur den dritten Platz, was ihm in der Folge noch ungerechter erscheinen musste, wurde "Cara Mia" in Schweden doch zu einem Riesenhit.

Zwei Jahre später zählte Zelmerlöw erneut zum engen Favoritenkreis für den "Melodifestivalen"-Sieg, doch wieder scheiterte er, dieses Mal an der Opernsängerin Malena Ernman, gegen die er sich mit seinem Beitrag "Hope and Glory" nicht durchsetzen konnte.

Beim dritten Anlauf schaffte es der Sänger nun in diesem Jahr den "Melodifestivalen" für sich zu entscheiden, wobei ihm seine vielfach gesammelten Erfahrungen geholfen haben dürften: Schon vor zehn Jahren hatte er beim schwedischen "Idol 2005"-Wettbewerb (eine Art schwedischer DSDS) einen fünften Platz belegt, im Jahr darauf die Tanzshow "Let's Dance" gewonnen und sich als Moderator verschiedener Musicals sowie der traditionsreichen Fernsehshow "Allsång på Skansen" profiliert, bei der im Stockholmer Freilichtmuseum Skansen zehntausende Besucher zum Mitsingen aufgefordert werden.

Gnome in Plagiatsverdacht

Zelmerlöws Song "Heroes", mit dem er zunächst den "Melodifestivalen" und nun den ESC gewann, machte schon im Frühjahr seine Runden durch die Stockholmer Clubs - der elektronische Beat ist gefällig und die Refrains sind eingängig. Das von Songwriter Anton Malmberg Hård af Segerstad geschriebene Lied postuliert, dass derjenige ein Held ist, der sich seinen inneren Dämonen stellt, was einen halbwegs intelligenten Ansatz darstellt.

Doch "Heroes" ist weniger wegen seiner musikalischen Qualitäten ein Siegertitel sondern vielmehr wegen seiner Bühnenshow. Star-Choreograph Fredrik Rydman, der die Eröffnung des ESC 2013 in Malmö inszenierte, arrangierte für Zelmerlöw einen Tanz mit seinen Dämonen in Form von animierten Zeichenmännchen, was in der Tat originell ist. Allerdings war die Inszenierung schon im Vorfeld nicht völlig unumstritten. Zelmerlöws Gnomen-Riege kam in Plagiatsverdacht, weswegen die digitalen Effekte für die ESC-Vorführung kurzfristig noch geändert wurden.

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Verplappert in der Kochshow

Einen Kratzer bekam Zelmerlöws Image ab, als sich der dauerlächelnde Schwiegermutter-Traum im März 2014 in der TV-Kochshow "Pluras kök" ("Pluras Küche") verplapperte und Homosexualität als etwas "abnormales" bezeichnete. Gleichgeschlechtliche Liebe sei für ihn völlig in Ordnung, sagte er in der Show, doch selbstverständlich sei es natürlicher, wenn Männer und Frauen Kinder zeugten.

Es folgte ein Aufschrei der Empörung in der schwedischen Öffentlichkeit. Homophobie sei im Jahre 2014 nicht mehr hinnehmbar, warf ihm der homosexuelle Musikproduzent Alexander Bard von der schwedischen Band Bodies Without Organs (BWO) vor. "Ich werde ihm erst verzeihen, wenn er sich in Therapie begibt, um von seiner Homophobie geheilt zu werden", sagte Bard der schwedischen Zeitung Aftonbladet. Zelmerlöw bat mehrfach um Verzeihung für seine Entgleisung: "Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die sich verletzt fühlen", schrieb er in einer Stellungnahme. "Ich glaube und hoffe, dass die große Mehrheit weiß, dass ich Unterschiede und alle Formen der Liebe respektiere."

Er gilt in dieser Sache in der schwedischen LGBT-Community inzwischen als entlastet. Doch man weiß ja nie: Offenbar um seinen möglichen ESC-Sieg als hochgehandelter Favorit wegen der Homophobie-Vorwürfe nicht doch noch zu gefährden, setzte er kurz vor dem ESC-Finale noch einen drauf: Auf die Frage der schwedischen Gratiszeitung Metro, ob er sich ein Rendezvous mit einem Mann vorstellen könne, antwortete er: "Ja, wenn ich mich so fühlen würde, könnte ich das absolut machen." Nach seinem Triumph von Wien sind seine Chancen für ein Rendezvous auf jeden Fall gewachsen. Wenn er sich so fühlt, wohl auch bei Europas Frauen.

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