Catherine Deneuve zum 70. GeburtstagDie Unbesitzbare

Ob sexuell abgründige Blondine oder bourgeoise Dame: Catherine Deneuve war immer das, was andere in ihr sehen wollten - und schaffte es doch, sich diesem Blick nie zu unterwerfen. Nun feiert die Grande Dame des französischen Kinos ihren 70. Geburtstag und ist zugänglicher als je zuvor.

Ob sexuell abgründige Blondine oder bourgeoise Dame: Catherine Deneuve war immer das, was andere in ihr sehen wollten - und schaffte es doch, sich diesem Blick nie zu unterwerfen. Nun feiert die Grande Dame des französischen Kinos ihren 70. Geburtstag und ist zugänglicher als je zuvor.

Zwischen diesen beiden Frauen wird etwas passieren im Lauf des Films, und der erste Blickkontakt muss bitte schön die knisternde Ouvertüre dazu sein. Das ist hier die Aufgabenstellung. Susan Sarandon ist zuerst dran. Sie macht das recht deutlich mit ihrer Mimik, aber nicht schlecht. Dann kommt der Gegenschnitt - und das Erstaunliche ist: In Catherine Deneuves Gesicht regt sich praktisch gar nichts.

Sie schaut ihr Gegenüber nur ruhig an. Dann lässt sie die Augen, fast echsenhaft, einmal ganz schnell herumhuschen - unterbrochen durch einen devoten Lidschlag. Scheu und und kühl wirkt das, aber nur kurz , denn dann spürt man die Wucht des Moments in der Magengrube. Dieser Blick hat Sarandon, innerhalb von Millisekunden, vollständig ausgezogen - und ihren Körper auch noch zärtlich liebkost.

"The Hunger/Begierde" heißt der Film, eine Vampirgeschichte, inszeniert von Tony Scott. Es gibt später noch eine ziemlich aufgedonnerte Sexszene zwischen den beiden, großes Studiolicht, wehende Stoffbahnen, Operngesang. Das alles kommt aber nicht mehr an die Erotik heran, die gerade in dieser ersten Begegnung zu spüren ist - im weltmeisterlichen Aufflackern des Begehrens in Catherine Deneuves Blick.

Wucht des Moments in der Magengrube: Catherine Deneuve (rechts) und Susan Sarandon in "Begierde" ("The Hunger") von Tony Scott aus dem Jahr 1983.

Bild: Imago Stock&People 22. Oktober 2013, 13:522013-10-22 13:52:04 © SZ vom 22.10.2013/pak