"Carol" mit Cate Blanchett und Rooney Mara "Frauen im Filmgeschäft gelten als schwierig"

Produzenten und Regisseure kamen und gingen, unter anderem wollte der Shakespeare-Mann Kenneth Branagh den Film inszenieren, sprang dann aber doch wieder ab. Es ließ sich einfach kein ausreichendes Budget für die Finanzierung zusammentreiben.

Blanchett sagte dazu in Cannes: "Mittelgroße Filme mit Frauen in den Hauptrollen sind quasi nicht zu finanzieren - weshalb es jetzt auch besonders befriedigend ist, dass ,Carol' so gut aufgenommen wird." Die 46-jährige Australierin, die vom Theater kommt und schon eine ganze Weile im Filmgeschäft aktiv ist, wo sie vor allem durch die "Herr der Ringe"-Filme bekannt wurde, ist im Hinblick auf die Stellung von Frauen im Showbusiness ziemlich abgeklärt. "Patricia Highsmith ist eine Meisterin in der Konstruktion von sexuellen und moralischen Zweideutigkeiten, und mit der Figur der Carol ist ihr eines ihrer absoluten Meisterstücke gelungen - aber erklären Sie das mal einem männlichen Studioboss."

Ihre jüngere Kollegin Rooney Mara, die in der US-Verfilmung von Stieg Larssons "Verblendung" ihren Durchbruch hatte und mit Steven Soderbergh ("Side Effects") und Spike Jonze ("Her") gedreht hat, sieht das ähnlich: "Frauen im Filmgeschäft gelten als schwierig - und zwar gleichermaßen als Filmcharaktere und als Filmemacherinnen. Produzenten finden Frauenthemen schwierig zu verkaufen, und mit zu vielen Frauen zusammenzuarbeiten finden sie meistens auch schwierig. Weshalb sie dann gerne herumerzählen, dass Frauen, besonders Schauspielerinnen, eben einfach schwierig sind."

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Auftritt als erotischer Sidekick

Cate Blanchett hat schon vor Jahren in einer erfolgreichen Highsmith-Verfilmung mitgespielt, und zwar in Anthony Minghellas Adaption von "Der talentierte Mr. Ripley". Damals hatte die Hauptrolle ein Mann, Matt Damon, und sie nur einen kleineren Auftritt als erotischer Sidekick. Aber seitdem ist sie eine passionierte Highsmith-Jüngerin: "Ihre Geschichten umgibt so eine dunkle, perverse, auch sehr ironische, melancholische und einsame Aura, die mich unheimlich fasziniert." Also wollte sie keinesfalls aufgeben, was das Projekt "Carol" betrifft, das ihr bereits vor sechs Jahren angeboten und dann doch immer wieder auf Eis gelegt wurde.

Sieht man nun den fertigen Film, den Todd Haynes, der vor allem für seine fiktive Bob-Dylan-Biografie "I'm Not There" bekannt ist, nach Jahren der Drehbuch- und Finanzierungsarbeit gemacht hat, kann man nur urteilen: Das Warten hat sich gelohnt. Seine beiden Darstellerinnen und er haben aus der Buchvorlage keine museale Fifties-Geschichte fürs Kino gemacht, sondern vielmehr einen Film, der in erster Linie von einer explosiven großen Liebe erzählt, die zeit- und ortlos ist. Erst auf einer zweiten Ebene ist sie auch eine Geschichte über Homosexualität, Konservatismus und gesellschaftliche Korsette.

Ganz im Gegensatz zu einem Film wie "La vie d'Adèle / Blau ist eine warme Farbe", der ebenfalls in Cannes Premiere hatte und von einer lesbischen Liebe erzählt, setzen Blanchett, Mara und Haynes nicht auf Provokation durch die Darstellung von Sex. Vielmehr interessieren sie sich für die Mechanismen des Flirts zwischen den beiden Partnerinnen, und das erst mal auch ganz unabhängig von deren Geschlecht: Die Blicke allein, die Blanchett und Mara sich bei ihrer ersten Begegnung im Spielwarenladen zuwerfen, sind preisverdächtig: neugierig, testend, devot und provozierend zugleich.

Plädoyer für ungebändigte emotionale Wildheit

Dazu passt auch gut, dass der Begriff "lesbisch" kein einziges Mal im Film fällt. Was die Hilflosigkeit, diese Liebe überhaupt mit einem Vokabular beschreiben zu können, deutlich unterstreicht, und zwar ganz nebenbei, ohne dass die Filmemacher es mit platten Problemfilmdialogen extra aussprechen müssten. Genauso ist Highsmith schon in ihrem Roman vorgegangen, der überhaupt eine der ganz wenigen Mainstreambeschreibungen einer homosexuellen Partnerschaft aus jener Zeit ist, auf die man als Zeugnis zurückgreifen kann - es haben sich sonst einfach nur sehr wenige Künstler getraut.

Auch für die Tatsache, dass die frühen Fünfziger in den USA eine komplett andere Welt waren als schon ein paar Jahre danach die späten Fünfziger, während die ersten Ausläufer der Beat-Generation das Land durchrüttelten, ist der Film ein kluges Zeugnis. Vor allem aber ist er ein Plädoyer und eine adäquate Übersetzung für die ungebändigte emotionale Wildheit, die Highsmiths Geschichte trotz ihres kargen Sprachstils ausmacht, und die sie sich für ihr gesamtes Leben als Künstlerin streng verordnete. In ihrem Tagebuch notierte sie, parallel zur Arbeit an "Carol": "Nie, aber auch niemals ein ruhiges Gefühlsleben erwarten und darin vor allem keine Voraussetzung zum Schreiben sehen."

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