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Auf Prominentenjagd in Cannes:Balzen und Plustern

Der verlockende Herr Pitt, die säuerliche Frau Dunaway und der weise Mister Allen: Unser Autor hat entdeckt, dass Cannes ein Zoo ist - mit schönen Schwänen, irren Paradiesvögeln und gefährlichen Katzen.

Roman Polanski hat es einmal sehr schön gesagt: "Natürlich ist Cannes ein Zoo - aber wir alle lieben nun mal exotische Tiere." Wie recht er hat. Denn was, bitteschön, ist denn Lady Gaga auf der Fernsehshowbühne der 64. Filmfestspiele am Strand - wenn nicht ein prächtiger, schwarzweißroter Paradiesvogel, dessen durchdringend schräge Stimme durch den ganzen Tiergarten hallt?

Cannes 2011: Halbzeit

Prominent unter Palmen

Und dieses Fabelwesen, halb Schwan im schneeweißen Anzug, halb Leopard mit gefleckter Sonnenbrille - ist das nicht Brad Pitt auf seiner Pressekonferenz für den Film "Tree of Life"?

Michel Piccoli wiederum, der große Franzose, der einen zweifelnden Papst spielt - sieht er nicht längst aus wie ein weiser alter Uhu? Beim großen Abenddinner hockt er jedenfalls sehr ruhig auf seiner Stange - und doch steckt im Zucken seiner gefiederten Augenbrauen mehr Ausdruckskraft als im Balzen und Plustern all der Jungtiere um ihn herum.

Auch sonst ist bei diesem Dinner im neu errichteten Speisezelt neben dem Festivalpalais, das von Michelin-Rekordkoch Alain Ducasse betörend gut bekocht wird, animalisches Verhalten zu beobachten. Robert De Niro, dessen silbergraue Haarbüschel über den Ohren an einen Mähnenpavian erinnern, ist eindeutig der Patriarch im Gehege, das Alphamännchen am Tisch der Jury, an dem auch die leuchtende Uma Thurman ihren Platz gefunden hat. Mitjuror Jude Law, der neben De Niro sitzt, hängt geradezu an seinen Lippen und fixiert ihn mit hochkonzentriertem Blick - im Reich der Paviane, das weiß der Verhaltensforscher, eine ganz klare Unterwerfungsgeste.

Faye Dunaway wiederum ist die Ehre zuteil geworden, dass ihr Bild für das ganze Spektakel steht. Ihr träumerisches Porträt aus dem Jahr 1970 ziert das Plakat und auch die ganze Front des Festivalpalasts, in vielfacher Überlebensgröße. Sie ist eindeutig eine Tigerin, das zeigt sich bei diesem Dinner, auch wenn die Jahre zwischen diesem Foto und der Gegenwart natürlich ihre Spuren hinterlassen haben. Etwas desorientiert irrt sie zwischen den Tischen umher - aber wehe, man kommt ihr in die Quere.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie scharf die Krallen sein können - und was Woody Allen dazu sagt.

Cannes 2011: Uma Thurman

Der sanfte Riese