Geldanlage:So findet man saubere Fonds

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Geldanlage: Sommertag am Breitenberg: Grüne Fonds, die zum Beispiel in Aktien von Solarunternehmen investieren, werden immer beliebter. Doch für Anleger ist die Auswahl aufwendig.

Sommertag am Breitenberg: Grüne Fonds, die zum Beispiel in Aktien von Solarunternehmen investieren, werden immer beliebter. Doch für Anleger ist die Auswahl aufwendig.

(Foto: imago images/Action Pictures)

Immer mehr Menschen wollen Geld nachhaltig anlegen. Wer die passenden Fonds finden will, muss aber genau hinschauen. Ein Leitfaden.

Von Thomas Öchsner

Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der Väter der Genossenschaftsidee, hat es einmal so formuliert: "Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele." Von dieser Idee inspiriert sind auch die wachsende Zahl von Anlegerinnen und Anlegern, die ihr Erspartes so investieren wollen, dass es zumindest nicht weiter zur Klimazerstörung beiträgt. Am einfachsten geht dies für Privatanleger mit aktiv gemanagten Fonds und Exchange Traded Funds (ETFs), die die Kursentwicklung eines bestimmten Börsenindex einfach nur abbilden. Aber wie findet man geeignete Produkte? Und wie lässt sich feststellen, wie nachhaltig ein Fonds wirklich ist? Ein kleiner Wegweiser.

Meist ist schon im Namen zu erkennen, ob ein Fondsanbieter sein Produkt als nachhaltig einstuft. Wenn ja, tauchen dort häufig drei Buchstaben auf: ESG, E für environmental (Umwelt), S für Social (Soziales) und G für Governance (gute Unternehmensführung). Beim Thema Nachhaltigkeit sollte es also nicht nur um Klimarettung oder Umweltschutz gehen, sondern auch um die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten oder das Verhindern von Korruption. Bei den ETFs wird ESG häufig mit anderen Signalwörtern verknüpft. Im Namen des ETF finden sich dann Verbindungen wie "ESG Screened" (ESG gefiltert), "ESG Enhanced" (ESG verbessert) oder "ESG Leaders" (ESG-Vorreiter). Beliebt sind auch Hinweise wie "Low Carbon") (kohlenstoffarm) oder SRI für "Socially Responsible Investment" (gesellschaftlich verantwortliches Investieren) oder bei gemanagten Fonds die Wörter "green" (grün), "Impact" (Wirkung) oder "sustainable" (nachhaltig). Doch steckt auch immer das in den Fonds drin, was so verheißungsvoll klingt?

Ecoreporter, ein unabhängiges Internetportal für nachhaltige Geldanlagen, testet regelmäßig die neuen Lieblinge der Finanzbranche. Das Ergebnis zeigt, dass sich nachhaltig orientierte Anleger mit entsprechenden ETFs meist einen mehr oder weniger guten Kompromiss einkaufen. So können in manchen als nachhaltig angepriesenen ETFs zum Beispiel Aktien von Ölfirmen stecken, von Betreibern von Atomkraftwerken oder Glücksspielkonzernen. Das liegt auch an dem System, wie die Indexbetreiber ihre Aktien auswählen.

Fonds enthalten Schlupflöcher für Umweltsünder

Grundlage ist häufig ein ganz normaler Börsenindex mit Aktien vieler Unternehmen. Nach bestimmten Kriterien werden Aktien ausgefiltert, bis die nachhaltigsten Anbieter jeder oder von bestimmten Branchen übrig bleiben. Nachhaltige ETFs enthielten daher "Schlupflöcher", heißt es in der Analyse von Ecoreporter. Das Kürzel ESG werde in der Finanzbranche mittlerweile "inflationär verwendet, seit Marketingleute glauben, Finanzprodukte würden sich wie von selbst verkaufen, wenn man sie nachhaltig nennt". Auch von Fondsmanagern betreute Fonds, die in der Regel deutlich höhere Kosten als ETFs haben, arbeiten häufig nach diesem "Best-in-Class-Prinzip".

Im ersten Halbjahr 2022 verzeichneten als nachhaltig firmierende Fonds im Vergleich zu konventionellen Fonds oft überdurchschnittlich starke Verluste. Das liegt unter anderem daran, dass zum Beispiel Ölaktien starke Kursgewinne erzielen konnten, diese aber in den nachhaltigen Fonds oft nicht enthalten sind. Langfristig sind die Renditen der nachhaltigen Fonds jedoch etwas besser, wie eine neue Untersuchung des Vermögenszentrums zeigt. Die Vermögensverwalter verglichen dabei die Renditen von mehreren nachhaltigen Weltaktienindizes mit dem klassischen MSCI World, in dem sich etwa 1600 Aktien aus 23 Industrieländern befinden. Beispiel: Der MSCI World ESG Leaders verzeichnete seit 1. Oktober 2007 bis Ende 2021 eine Rendite von jährlich 8,8 Prozent (inclusive Dividenden), beim MSCI World waren es 8,6 Prozent.

Stiftung Warentest vergibt Noten für Nachhaltigkeit

Als Orientierung kann Anlegern auch die Nachhaltigkeitsnote weiterhelfen, die Ecoreporter, die Ratingagentur Morningstar und die Stiftung Warentest vergeben. Bei der Stiftung bekommen ETFs mit dem Schwerpunkt Aktienfonds Welt, die die Warentester als "erste Wahl" bezeichnen, allerdings nur die Nachhaltigkeitsnote "mittel". Unterschieden wird zwischen "sehr hoch", "hoch", "mittel", "niedrig" und "sehr niedrig". Zu diesen "Erste-Wahl-ETFs" zählen Amundi MSCI World SRI, BNP Easy MSCI World SRI S-Series PAB 5%capped, UBS MSCI ACWI Socially Responsible, IShares MSCI World SRI. Bei den gemanagten Fonds gab die Stiftung hingegen vier Produkten die beste Nachhaltigkeitsnote ("sehr hoch"): Ökoworld Ökovision Classic, Security Superior 6 Global Challenges, Universal GLS Bank Aktienfonds, Monega Steyler Fair Invest Equities. Der Anlageerfolg der Fonds wird aber als "niedrig" oder "mittel" bewertet. Es kann allerdings passieren, dass bestimmte ausgesuchte Fonds bei der Hausbank oder Direktbank, bei der man seine Finanzgeschäfte abwickelt, nicht oder nicht ohne Rabatt beim Kauf zu bekommen sind. Bei der Auswahl sollten Anlegerinnen und Anleger deshalb eine gewisse Flexibilität mitbringen.

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