Jagdrecht in Bayern:Böser Wolf, böser Bär - oder doch böser Mensch?

Jagdrecht in Bayern: Tanzbären ehedem waren Opfer von Tierquälerei. Jetzt droht zugewanderten Bären in Bayern der Abschuss. Koexistenz? Schwierig.

Tanzbären ehedem waren Opfer von Tierquälerei. Jetzt droht zugewanderten Bären in Bayern der Abschuss. Koexistenz? Schwierig.

(Foto: Gerhard Leber/Imago)

Ist Söders Abschusserlaubnis rechtskonform? Und sinnvoll? Oder könnte man sich mit großen Beutegreifern auch entspannt arrangieren, wie in Italien und Slowenien?

"Ein Riss reicht" vom 26. April:

Rechtsbruch der Staatsregierung

Söders Verlautbarungen zum Thema Wolf unter Beifall von Herrn Aiwanger und den Tierhalterverbänden sind meiner Meinung nach skandalös, rechtswidrig, offensichtlicher Wahlstimmenfang und schaden Weidetierhaltenden und ihren Nutztieren in Bayern.

Es ist schon jetzt klar - und das muss Herrn Söder bewusst sein, alles andere würde mich noch fassungsloser machen - dass die neue Verordnung stante pede von den Gerichten kassiert werden wird. Es gibt einen "Bayerischen Aktionsplan Wolf". Anscheinend hat ihn Herr Söder nicht gelesen. Das Vorgehen der Staatsregierung vertieft die Gräben zwischen den Betroffenen, führt Weidetierhaltende und die Öffentlichkeit in die Irre und konterkariert die Arbeit all derjenigen, die sich für konstruktive Lösungen im Konfliktfeld Wolf und Weidetierhaltung einsetzen.

Sollte eine Regierung stattdessen nicht versuchen, Interessen auszugleichen, konstruktiv Problemlösungen anzugehen und - vor allem - die Rechtslage zu respektieren? Es sollten sich alle gut überlegen, ob sie solch einer Regierung weiterhin ihr Vertrauen schenken möchten.

Monika Riepl, Ansbach

Söder und der böse Wolf

Die geplante neue "Wolfsverordnung" unserer Staatsregierung und die Forderungen der Weidetierhalterinnen und -halter gehen völlig an der Realität vorbei und zeugen von einer unerträglichen Überheblichkeit dieser Menschen, die bestimmen wollen, welches Lebewesen in Bayern wo hingehört. Ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn in Italien, Frankreich oder Slowenien zeigt, dass eine Koexistenz der großen Beutegreifer mit Mensch und Weidetier möglich ist und völlig selbstverständlich funktioniert.

Die Bauern der dortigen Bergregionen halten Herdenschutzhunde, die effizient Wölfe von den Schafen fernhalten. Und falls doch ein Tier gerissen wird, gehört das zum Leben mit der Natur dazu. Unsere Bauern sollten sich daran ein Beispiel nehmen, bereit sein, neu zu denken und Neues auszuprobieren, anstatt ständig zu jammern und als "Lösung" den Abschuss zu fordern. Diese Bereitschaft zu Flexibilität und Weiterbildung wird heute von jeder Berufsgruppe gefordert - Weidetierhalterinnen und -halter sind davon nicht ausgenommen. Im Übrigen werden diese von unserem Staat und damit von uns Steuerzahlerinnen und -zahlern großzügig unterstützt: Dies geht von Weideprämien über die Übernahme der kompletten Kosten für Schutzzäune (zuletzt in Höhe von zehn Millionen Euro!) bis hin zu Entschädigungszahlungen für gerissene und verletzte Tiere (siehe Bayerisches Landesamt für Umwelt). Nicht Bär, Luchs und Wolf gehören ausgerottet, sondern unser eingleisiges, bequemes, veränderungsunwilliges Denken. Wir müssen lernen, mit der Natur zu leben und uns nicht über sie zu stellen.

Birgit Lutz und Christoph Rabas, Dießen

Zweierlei Mitleid?

Erleidet ein trächtiges Mutterschaf, dem bei lebendigem Leib vom Wolfsrudel der Bauch aufgerissen und die Embryos gefressen werden, nicht weit mehr Leid und Schmerzen, als ein Wolf, der beim Abschuss kurz und schmerzlos getötet wird? Das auf der Weide eingezäunte Lamm, Zicklein oder Kalb kann nicht einmal fliehen, wie das Rot- und Rehwild in freier Wildbahn, und wird deshalb leichtes Opfer der bequemen Beutegreifer. Dass diese Wildtiere vom Wolf bis zur Erschöpfung gehetzt werden und vor dem Riss Todesangst erleben, bedenken die Tierschützer auch nicht.

Wölfe sind ihrer Natur nach Fleischfresser und Raubtiere, sie können dafür nichts.

Schuld am Leid der Opfer tragen jene Vertreter des Natur - und Artenschutzes, die die Ansiedlung von Wolf und Bär in der dicht besiedelten Kulturlandschaft Mitteleuropas betrieben haben. Diese Arten sind weder gefährdet, noch fehlt es ihnen an Lebensraum in den Weiten Sibiriens, Kanadas oder Alaskas. Stattdessen sollen nun die Bergbauern mit Zuschüssen der Steuerzahler Zäune bauen, um ihre "Problemschafe" zu schützen, und Hütehunde halten, zu deren Ernährung auch Fleisch von Haustieren verfüttert werden muss.

Die Regulierung des verbeißenden Schalenwildes im Bergwald, oft als Argument für die Wolfsansiedlung missbraucht, ist Aufgabe der Jagd. Und es ist Aufgabe der Politiker, sich um den Schutz der Menschen zu kümmern (ein vom Bär getöteter Tourist ist genug), ebenso, um die Almlandschaft und die Weidewirtschaft der Bergbauern zu erhalten.

Politiker buhlen im Wahlkampf um Wählerstimmen, genauso, wie die Natur- und Tierschützer mit ihren organisierten Protesten um Mitglieder, Spenden und Erbschaften werben: Zweierlei Mitleid, zweierlei Motive!

Erich Petzl , Grafing

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