Gleichberechtigung Auch Männer sagen Unsinn, ständig

Als sich die britische Premierministerin Margret Thatcher nach ihrem Amtsantritt 1979 eine tiefere Stimme antrainierte, verhalf ihr diese Maßnahme zu ihrem zweifelhaften Beinamen "Eiserne Lady". Männer empfinden Frauen als attraktiver, wenn sie einigermaßen hoch und zart sprechen.

Frauen ergeht es nicht nur in Betrieben und Büros so. Man muss nicht erst Konferenzen aufsuchen, um das bestätigt zu bekommen, es reichen Beobachtungen bei privaten Dinnerpartys und Umfragen im Bekanntenkreis. Die Damen bei Tisch reden schneller, sie fassen sich von vornherein kurz. Auch nimmt die Aufmerksamkeit ab: Parallelgespräche entwickeln sich bevorzugt, wenn eine Frau monologisiert, Teller werden ausgerechnet dann abgetragen; einem Mann wird solche Unhöflichkeit seltener zugemutet.

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Wer talentiert ist, kann aus eigener Kraft viel erreichen. Manchmal aber hilft auch der Zufall nach. Und der lässt sich provozieren.   Von Larissa Holzki

Längst haben auch die sogenannten Herrklärer und Mansplainer, jene Männer also, die selbstverständlich und umfassend Frauen Sachlagen erläutern, egal ob das weibliche Gegenüber diese kennt, gar besser Bescheid weiß, Brüder bekommen: die Mannologen mit ihren unerbetenen Wortwalzen und die Mantertainer, jene Herren, die sich für lustiger halten, als sie es sind, das aber nicht merken, weil es zu den männlichen Ritualen gehört, sich durch automatisches Über-Witze-Lachen gegenseitig zu bestärken.

Was tun? Einfach loslegen. Frauen, ergreift das Wort, nehmt euch die Redezeit, die euch zusteht, seid verbal präsent, gebt Laut! Worte bedeuten Wahrnehmung, Schweigen heißt Ignoranz. Es geht darum, ein überkommenes Rollenbild zu überwinden. Auch Frauen, die rauchen, Rad fahren, Hosen tragen oder Fernsehnachrichten moderieren, galten lange Zeit als Tabu. Offensichtlich muss sich eine Gesellschaft erst daran gewöhnen, dass Frauen so viel sagen dürfen, können, sollen wie Männer. Das kann nur gelingen mit: mehr sagen.

Frauen sagen oft: "Da kenne ich mich nicht so gut aus"

Lasst euch also nicht abschrecken von Unterbrechern, Reinredern, Besserwissern und missgünstigen Geschlechtsgenossinnen! Habt keine Angst davor, hin und wieder Unsinn von euch zu geben. Auch Männer sagen Unsinn, ständig. In dieser Hinsicht sollte ebenfalls Geschlechterparität gelten. Und bitte steht euch nicht selbst im Weg, macht es euch nicht schwer, weil ihr euch nichts zutraut, weil ihr zu selbstkritisch seid, oder weil ihr glaubt, die Frisur sitzt nicht.

So manche Talkshow-Redaktion bemüht sich redlich um weibliche Gäste und Experten für den Stuhlkreis vor der Kamera, hört aber auf die Anfrage immer wieder: "Da kenne ich mich nicht so gut aus." (Welcher Mann würde so was von sich geben?) Oder, noch schlimmer: "Da müsste ich erst zum Friseur." Das Leben ist zu kurz, um es beim Friseur zu verbringen oder es den Mansplainern zu überlassen.

Macht es wie die Marvelous Mrs. Maisel in der gleichnamigen TV-Serie! Dort redet die Protagonistin Midge Maisel alle in Grund und Boden. Bei jeder Gelegenheit ergreift sie das Mikrofon und macht so im New York der 1950er-Jahre Karriere als Komikerin, und zwar im Film wie in der Realität. Darstellerin Rachel Brosnahan erhielt für diese Rolle im vergangenen Jahr einen Golden Globe und einen Emmy. Manchmal hat selbst Hollywood die Nase vorn.

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