Flexible Arbeitszeiten:Debatte um Frauenquote zeigt Probleme auf

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Das Einvernehmen in dieser Frage scheint groß zu sein. Dennoch wird um die Familienfreundlichkeit der Arbeitswelt erbittert gestritten. Das Wort von der Frauenquote für Führungspositionen hat gerade wieder Hochkonjunktur.

Es sei ein "ziemlicher Skandal", so sieht es Kanzlerin Angela Merkel, dass in den 200 größten deutschen Unternehmen nur drei bis vier Prozent der Führungsfunktionen mit Frauen besetzt seien.

Obwohl die Wirtschaft vor zehn Jahren Besserung versprochen hätte, sei bisher nur wenig passiert. Aber sie wolle den Unternehmen "noch eine Chance" geben, an der Situation etwas zu verbessern, sagte die Regierungschefin vor den versammelten Spitzen von Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften in Berlin. "Seien Sie kreativ, sonst werden wir kreativ sein", drohte die Kanzlerin neue Vorschriften an.

"Der Wunsch nach mehr Zeit für Familie stehe bei berufstätigen Eltern ganz oben auf der Prioritätenliste", erklärt auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Die Unternehmen müssten sich schon wegen des Fachkräftemangels als "attraktive Arbeitgeber" in Position bringen.

Vor kurzem haben Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertreter eine Charta unterzeichnet, die dazu aufruft, die Chancen familienbewusster Arbeitszeiten aktiver zu nutzen. Im Frühjahr 2013 soll eine Bilanz gezogen werden.

Viele Methoden für flexible Arbeitszeiten

Gemessen an den Zahlen wäre das Fazit schon heute recht gut. Es gibt scheinbar unendlich viele Methoden, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten. Bei Schönberger Metalltechnik und Stahlbau zum Beispiel, einem Betrieb mit 28 Mitarbeitern im bayerischen Wölsendorf, bekommen die Mitarbeiter ein Lebensarbeitszeitkonto.

"Man kann Überstunden unbegrenzt ansammeln und zum Beispiel früher in Rente gehen oder mal drei Monate Pause machen", sagt Chefin Sabine Schönberger. Das sei schwer zu organisieren. Aber noch schwieriger sei es, neue Beschäftigte einzuarbeiten.

Die Frankfurter Flughafen-Gesellschaft Fraport lässt sich von der Bundesregierung dafür loben, dass sie ihren Mitarbeitern nicht nur flexible Arbeitszeiten bietet, sondern konkrete Beratung. Wer ein Problem mit der Familie, der Kinderbetreuung oder der Pflege eines Verwandten hat, kann im eigenen Haus beim Spezialisten Rat einholen.

Sonderzahlungen in freie Tage umwandeln

Und das Modell der "Familienphase", das die Ergo-Versicherung anbietet, hat in den Augen von Familienministerin Schröder sogar Vorbildcharakter. Angestellte, die sich um ein krankes Familienmitglied kümmern, werden für maximal zwölf Monate freigestellt und bekommen in dieser Zeit ein reduziertes Gehalt gezahlt.

Kehren sie ins Büro zurück, arbeiten sie wieder Vollzeit, beziehen aber für die Dauer der Zeit, die sie fehlten, weiterhin weniger.

Wer will, kann bei Ergo Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld in bis zu 42 freie Tage umwandeln. Von dieser Maßnahme seien auch die Männer begeistert, heißt es bei Ergo. "So können sie eine Vier-Tage- oder 30-Stunden-Woche einführen, ohne ihren Vollzeit-Status zu verlieren", sagt Katrin Peplinski, Diversity Managerin bei Ergo.

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