Einstieg in die Arbeitswelt:Null-Bock-Haltung und neue Berufe

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"Mein Kind hat die klassische Null-Bock-Haltung. Und keinen Schimmer, was es mal machen will."

Jugendliche in der Pubertät strahlen oft diese "Ist mir doch scheißegal"-Haltung aus. Nach Sabine Gärtners Einschätzung stecken jedoch oft Ängste und Unsicherheiten dahinter. "Versuchen Sie trotzdem, das Gespräch zu suchen." Gerade für Jungen sei es oft wichtig, aktiv zu sein und sich auszuprobieren, statt nur abstrakt über das Thema Beruf zu reden. "Hier sind Erlebnisräume wichtig - Berufstage im Betrieb zum Beispiel oder Workshops und Planspiele."

Das Wichtigste, so Gärtner: "Zeigen Sie Interesse! Und damit meine ich wirkliches, ernst gemeintes Interesse. Bleiben Sie im Gespräch. Und bleiben Sie positiv." Leider, so Gärtner, werde immer noch oft ein Fokus auf die Schwächen der Jugendlichen gelegt. "Konzentrieren Sie sich auf die Stärken", rät sie allen Eltern. Wer seinem Kind Vertrauen entgegenbringt und die Überzeugung ausstrahlt: "Du wirst deinen Weg gehen", könne Sohn oder Tochter viel besser begleiten

Und wie findet man jetzt heraus, was der Jugendliche gut kann, wozu er Lust hat? "Fragen Sie nach Lieblingsfächern", rät Gärtner. "Fragen Sie, was Ihrem Kind Gänsehaut bereitet? Wofür kann Ihr Sohn, Ihre Tochter sich begeistern?" Die Eltern könnten außerdem zurückspiegeln, in welchen Situationen sie ihr Kind stark und kompetent erleben. "Und wenn Sie partout nicht weiterkommen, dann helfen die Berufsberater und spezielle Tests zu Interessen und Kompetenzen weiter."

"Ich kenn mich doch überhaupt nicht aus mit den ganzen neuen Berufen, die den Jugendlichen heutzutage offenstehen!"

Eltern müssen nicht selbst der beste Berufsberater werden. "Aber Sie sollten grob wissen, welche grundlegenden Möglichkeiten es gibt - von Ausbildung, über Berufsschulen, bis hin zu dualem Studium und Universität", sagt Gärtner. Dann sei der nächste wichtige Schritt, zu klären: "Was kann mein Kind, was will mein Kind?" Basierend auf den Stärken und Interessen kann man sich dann viel gezielter über entsprechende Berufsmöglichkeiten informieren.

"Man muss nicht auf jeden Fall ins Berufsinformationszentrum und sich elf Unis anschauen", sagt Einstieg-Berufsberaterin Gärtner, die für individuelle Lösungen plädiert. "Ich kann aber empfehlen, mit Leuten zu sprechen und sich den Blick von außen zu holen. Vielleicht arbeitet ja zum Beispiel die Tante oder der Nachbar in dem Bereich, um den es geht."

Sibylle Riese zufolge ist es gut, wenn die Eltern denselben Informationsstand zur Berufswelt haben wie die Jugendlichen und sich einen Überblick über die Recherchemöglichkeiten zu verschaffen (Am Ende des Textes finden Sie eine Zusammenstellung mit weiterführenden Links).

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