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Berufsorientierung:Was willst du, was kannst du, wer bist du?

Hochschulabsolventen stehen oftmals genauso ratlos vor der Berufswahl wie wenige Jahre zuvor vor der Studienfachwahl.

(Foto: imago)

Absolventen sind oft unschlüssig, welcher Job zu ihnen passen könnte. Berufswahltests im Selbstversuch.

Plötzlich ist da ein großes Fragezeichen. Die letzte Klausur ist geschrieben, die Bachelorarbeit abgegeben, das Studium beendet. Aber was nun? Der Lehramtsanwärter wird voraussichtlich bald vor einer Klasse stehen, die Medizinerin Patienten untersuchen. Doch was wird aus den Politikwissenschaftlern, den Geografen und Germanisten, denen, die Philosophie studiert haben oder irgendwas mit Medien? Sie stehen vor der Berufsentscheidung, so wie sie einst als Schüler vor der Wahl des Studienfachs standen. Ihre Stimmung schwankt zwischen der Sorge, niemals den passenden Job zu finden, und der Vorstellung unerschöpflicher Möglichkeiten.

Martin Kritzinger hat gerade sein Studium am Medienkolleg in Innsbruck abgeschlossen. Er ist jetzt diplomierter Kommunikations- und Mediendesigner. Zwei Jahre lang hat er gelernt, Filme zu drehen, Webseiten zu gestalten und Fotoshootings zu organisieren. Dazu ein bisschen Informatik, Betriebswirtschaft und Recht, außerdem spricht er jetzt Spanisch. Aber was genau macht man damit? Auf seiner Internetseite wirbt das Kolleg damit, dass es viele Optionen gibt: Die Vorschläge reichen vom Allrounder in Klein- und Mittelbetrieben über Webdesigner und der Arbeit in Marketing und Medienwirtschaft.

Weil Martin sich selbst auch vieles vorstellen kann, sollen ihm ein paar Online-Berufstests bei der Orientierung helfen. Der 27-Jährige füllt emsig Fragebögen aus, macht Angaben zu seinem Ausbildungsweg und legt dar, wo er im Leben steht. Einige Tests dauern nur wenige Minuten, andere bis zu zwei Stunden. Zwei Tage, acht Tests - ein Selbstversuch.

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Tipps, die sich Eltern besser sparen, hält jedes Kindesalter bereit - selbst die Phase der Berufsfindung. Berufsberater über elterliche Binsenweisheiten, die sie nicht mehr hören können.

Die Berufstests gliedern sich grundsätzlich in drei Kategorien: Es geht um Interessen, Fähigkeiten und die Persönlichkeit. Mit anderen Worten: Was willst du, was kannst du, wer bist du? Was am Anfang noch recht witzig und spannend erscheint, wird spätestens nach dem vierten Test zu einer zähen Angelegenheit. Immer und immer wieder muss Martin ähnliche Fragen beantworten: Wie siehst du dich? Bist du Spontanmensch oder Planer, kreativ oder technisch versiert, gruppenorientiert oder Einzelkämpfer? Mal soll er seine Fähigkeiten selbst auf einer Skala bewerten, mal muss er entscheiden, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten würde.

Der Turbo unter den Berufstests trägt den vielversprechenden Namen "Futureplan" und besteht aus 16 Fragen mit je zwei Antwortmöglichkeiten. Nach nur wenigen Minuten erhält Martin Empfehlungen zu Berufen und Ausbildungsgängen. "Geht schnell, sieht gut aus, liefert allerdings nichts Neues", sagt er, nachdem ihm vorgeschlagen wird, Mediendesigner zu werden. Genau das hat er ja bereits studiert. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der "Hamburger Berufsfindungstest". Zwar schlüsselt er verschiedene Berufsfelder in Ausbildungswege und Studiengänge auf, kostet dafür allerdings auch mehr Zeit und Geld.

Berufs-Dating-Portal für Unternehmen und Bewerber

Interessanter wirkt auf Martin die Idee von "Talents Connect". Die Seite will Berufseinsteigern nicht nur den perfekten Job vermitteln, sondern auch gleich ein Stellengesuch schalten. Angaben, die Martin zu Beginn des Tests macht, bilden seinen Steckbrief - ein Aushängeschild, das bei Unternehmen für ihn werben soll. Einige Fragen, ein paar Klicks, und schon soll ein den Wünschen und Qualifikationen entsprechendes Jobgesuch erscheinen - so jedenfalls der Plan. Gleichzeitig werden Martin bereits ausgeschriebene Stellen angezeigt. Wie bei einer Art Berufs-Dating-Portal sollen Unternehmen und Bewerber einander finden. Klingt gut, funktioniert allerdings nur mäßig.

"Ich habe angegeben, dass ich zu 60 Prozent draußen arbeiten möchte und mir wurde mit 80 Prozent Übereinstimmung ein reiner Bürojob vorgeschlagen", sagt Martin. Das Problem: "Man kann bei den Angaben keine Prioritäten setzen. Andere Antworten haben das Ergebnis zu stark beeinflusst." Außerdem kann eine passende Stelle nur dann gefunden werden, wenn sie auch zufällig auf der Plattform ausgeschrieben ist.