Berufsausbildung Vom Industriemechaniker zum Altenpfleger

Bernd Maier, 55 Jahre

"Vor sieben Jahren habe ich den Pflege-Basiskurs abgeschlossen, um als Pflegehelfer arbeiten zu können. Ursprünglich hatte ich nach dem Abitur und einem abgebrochenen Bauingenieurstudium eine Lehre zum Industriemechaniker gemacht. Danach war ich als Leiharbeiter in Berlin tätig. Das war pure Ausbeutung, aber ich fand damals keinen anderen Job. Mit 30 Jahren kam dann die Umschulung zum Kommunikationselektroniker, die wurde mir vom Arbeitsamt bezahlt.

Fünf Jahre später habe ich mich mit einem kleinen Fuhrunternehmen selbständig gemacht. Es lief viele Jahre gut, aber mit der Öffnung des Marktes Richtung Osteuropa kam mehr Konkurrenz, dem Preisdruck konnte ich nicht standhalten. Ich war 47 Jahre alt, als ich die Firma aufgab und mich fragte: Was machst du jetzt? Da kam die Idee mit dem Pflegekurs - das hatte mir als Student schon Spaß gemacht, als ich mal in der ambulanten Pflege aushalf.

Bernd Maier hat mehrere Ausbildungen absolviert und in vielen verschiedenen Jobs gearbeitet. Jetzt absolviert er eine Ausbildung zum Altenpfleger.

(Foto: privat)

Ich war erst als Helfer in einer Demenz-Wohngemeinschaft unterwegs. Das hat mir aber nicht gereicht, ich wollte immer staatlich anerkannter Altenpfleger werden. Im Oktober 2017 habe ich die Ausbildung bei der Caritas begonnen. Die Arbeitsagentur wollte mich dabei nicht mehr unterstützen, weil mich der Pflegehelferjob ja schon vor Arbeitslosigkeit schützte. Das Jobcenter schlug dann vor, Hartz IV zu beantragen als Aufstockung zu meinem Ausbildungsgehalt. Ich bekomme jetzt 35 Euro Hartz IV monatlich - da komme ich mir schon ein bisschen veräppelt vor.

"Ich arbeite sieben Tage in der Woche"

Finanziell ist es für mich schwierig, über die Runden zu kommen. Ich arbeite sieben Tage in der Woche. Am Wochenende habe ich noch einen Job auf 450-Euro-Basis, weil die 750 Euro Ausbildungsvergütung einfach nicht reichen. Ich überlege oft, ob ich mein Auto oder mein Motorrad verkaufen soll oder die Ausbildung hinwerfe. Aber der Beruf macht mir großen Spaß. Man kommt heim und hat das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben.

In der Berufsschule bin ich als Ältester voll integriert. Ich bin der drittbeste Schüler und wurde sofort zum Klassensprecher gewählt. Dort nennen mich alle nur "Papabär". Aber so schön es auch ist, wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass sich meine finanzielle Situation so stark ändert, hätte ich die Ausbildung nicht begonnen."

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Alexandra P. hat erst mit der Geburt ihres Kindes entdeckt, was ihr Traumberuf ist. Vom Jobcoach will sie wissen, ob sie jetzt ihren besser bezahlten Job kündigen soll.