Berufsausbildung Von der Lehrerin zur Industriemechanikerin

Elena Maucher, 46 Jahre

"Ich kam vor 14 Jahren der Liebe wegen nach Deutschland. In Rumänien hatte ich Körperkultur und Sport studiert und an einem Gymnasium unterrichtet. Es fiel mir schwer, mich von meinem Beruf zu trennen, aber es war mir wichtiger, hier eine Familie zu gründen. Als mein Sohn zwei Jahre alt war, beschloss ich, wieder arbeiten zu gehen. Aber es gab Schwierigkeiten mit der Anerkennung meiner Ausbildung.

Bei der Firma Festo habe ich dann eine Stelle als Montagearbeiterin in Vollzeit gefunden. Das war gut - aber ich hatte immer den Wunsch, etwas Neues zu lernen. Weil dann mein Mann verstarb, war das allerdings erst mal lange Zeit nicht möglich, ich musste mich um meinen Sohn kümmern. Vor drei Jahren, als mein Sohn alt genug war, habe ich mich bei der Arbeitsagentur erkundigt. Die meinten, ich hätte doch einen guten Job. Ja, sagte ich, aber ich möchte lernen!

Elena Maucher hat früher in Rumänien als Sportlehrerin gearbeitet. Mit Mitte 40 begann sie mit einer Ausbildung zur Industriemechanikerin.

(Foto: Festo)

"Meine Schüler früher waren so alt wie jetzt meine Klassenkameraden"

Ich habe dann die Firma über meinen Wunsch informiert, Industriemechanikerin zu werden, aber die Ausbildung konnte ich mir nicht leisten. Die Personalabteilung schlug mir das Förderprogramm "WeGebAU" vor. Dabei macht man eine Lehre, die auf zwei Jahre verkürzt ist, und das Gehalt wird entsprechend des vorherigen Lohns von der Firma und der Arbeitsagentur aufgestockt. Als die Zusage kam, bin ich vor Freude in die Luft gesprungen.

Doch am Anfang war es sehr schwer. Ich spreche nicht perfekt Deutsch, und die vielen technischen Begriffe waren nicht leicht. Ich brauchte oft mehr Zeit als meine Azubi-Kollegen, aber am Ende schaffte ich es doch immer. Bald stehen die Zwischenprüfungen an. Früher in Rumänien waren meine Schüler zwischen 14 und 19 Jahre alt - jetzt sind das meine Klassenkameraden. Natürlich versuche ich, gute Noten zu bekommen, aber ich muss auch für meinen Sohn da sein. Da ist es unmöglich, immer zu den besten Schülern zu gehören. Es ist anstrengend, und ich investiere viel Freizeit. Aber ich bekomme Gehalt, um zu lernen - besser geht es nicht."