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Berufsausbildung:Vom Matrosen zum Erzieher

Helmut Salvatore Hartwich, 54 Jahre

"Als ich 15 Jahre alt war, bin ich als Matrose zur See gefahren. Das lag daran, dass mein Stiefvater sagte: Der Junge soll zur See fahren. Ich hätte lieber Abitur gemacht, aber so bekam ich nicht einmal einen Hauptschulabschluss. Mit 18 Jahren hatte ich die Ausbildung beendet und bin wieder zurück nach Berlin.

Dort habe ich mich dort mit allen möglichen Jobs durchgeschlagen. Ich war damals schon viel im pädagogischen Bereich aktiv, in Jugendgruppen und als Betreuer im Zeltlager. Zwischendrin war ich auch arbeitslos gemeldet und habe dem Mitarbeiter auf dem Amt gesagt, dass ich Erzieher werden will. Aber dort hieß es, das sei doch ein Frauenberuf. Ich habe das damals nicht hinterfragt - heute würde ich Widerworte geben.

Helmut Salvatore Hartwich fuhr als Matrose zur See, obwohl er eigentlich andere Interessen hatte. Mit fast 50 begann er die Ausbildung zum Erzieher.

(Foto: privat)

"Das Amt wollte mich nicht unterstützen"

Dann habe ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin eine Familie gegründet und mich als Hausmann um die Kinder gekümmert. Mit 46 Jahren war die Beziehung vorbei, und ich hatte die Chance, einen Neuanfang zu wagen. Mir kam dann wieder die Idee mit dem Erzieher, aber dafür musste ich erst die mittlere Reife nachholen. Das Amt wollte mich dabei nicht unterstützen, weil sich das in meinem Alter ja nicht mehr lohnen würde.

Das kam mir ziemlich merkwürdig vor. Ich bin dann auf den europäischen Sozialfond gestoßen, der mir den Abschluss finanziert hat. Nachdem ich den Abschluss hatte, habe ich wieder ein Programm gefunden, das Projekt "Chance Quereinstieg/Männer in Kitas", das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Darüber habe ich einen Ausbildungsplatz bekommen. Im vergangenen Juli bin ich fertig geworden und hatte da schon Stellenangebote von mehreren Kitas.

"Wie Goldstaub auf dem Arbeitsmarkt"

Wir Erzieher sind gerade wie Goldstaub auf dem Arbeitsmarkt, wir können uns aussuchen, wo wir arbeiten möchten. Die Leiterin meines jetzigen Kindergarten versteht nicht, warum ich das in meinem Alter noch mache, bei dem ganzen Lärm und Stress. Aber ich sehe das anders: Arbeiten Sie mal am Fließband, in einer Fleischerei oder in der Stanzfabrik - das ist auch nicht lustig! Klar, der Beruf ist anstrengend, aber er macht auch viel Spaß, und ich kann den Kindern zusehen, wie sie sich entwickeln. Inzwischen kann ich mir auch vorstellen, irgendwann als Sozialarbeiter oder Pädagoge in einer Behindertenwerkstatt oder Schule zu arbeiten."