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Leihärzte:Selbständig oder scheinselbständig?

OP im Krankenhaus

Der Bundesverband der Honorarärzte schätzt, dass etwa 500 Mediziner in Deutschland als freie Mitarbeiter an deutschen Kliniken tätig sind.

(Foto: dpa)
  • Das Bundessozialgericht in Kassel verhandelt darüber, ob Honorarärzte weiterhin als Selbständige an Kliniken arbeiten dürfen oder ob sie scheinselbständig sind.
  • Weil sie wie die Angestellten in die klinischen Hierarchien eingebunden sind, sind sie nach Ansicht der Deutschen Rentenversicherung sozialversicherungspflichtig.
  • Auch selbständige Pflegekräfte sind davon betroffen - ihre Klagen will das Gericht am Freitag verhandeln.

Zur Einarbeitung brauchte Jörg Marks nur 20 Minuten. Ob in Kliniken im Ruhrpott, in Freiburg oder in Ostdeutschland, der Allgemeinmediziner arbeitete nur seine innere Checkliste ab: Wo geht es zur Intensivstation? Wie melde ich eine Computertomographie an? Wie funktioniert das Computersystem? Danach war er einsatzbereit. Manchmal arbeitete er nur für 24 Stunden in einer Klinik, manchmal für zwei Wochen und ausschließlich dort, wo er wollte.

In den meisten Krankenhäusern wissen die Mitarbeiter den Weg zum Operationssaal, sie kennen ihre Kollegen und die Patienten auf den Stationen. Aber es gibt auch Ärzte wie Marks, die nur ein paar Monate, Wochen oder Tage in einer Klinik arbeiten oder sogar nur für eine Behandlung kommen und dann wieder weiterziehen. Diese sogenannten Honorarärzte werden immer dann gerufen, wenn Not am Mann ist, wenn ein Arzt krank wird, Urlaubszeit ist oder wenn für eine freie Stelle kein Ersatz gefunden wird. Das klingt nach finanziellem Risiko und Unsicherheit und doch gibt es einige Mediziner, die sich ganz bewusst für die Selbständigkeit entscheiden. Denn sie bringt mehr Geld und Freiheit mit sich.

Über selbständige Pflegekräfte will das Bundessozialgericht am Freitag verhandeln

Das könnte sich bald ändern. Diesen Dienstag verhandelt das Bundessozialgericht in Kassel darüber, ob Honorarärzte weiterhin als Selbständige an Kliniken arbeiten dürfen oder ob sie scheinselbständig sind, weil sie wie die Angestellten in die klinischen Hierarchien eingebunden und deshalb sozialversicherungspflichtig sind. Das ist die Ansicht der Deutschen Rentenversicherung. Auch selbständige Pflegekräfte sind davon betroffen - ihre Klagen will das Gericht am Freitag verhandeln.

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Selbständig oder Scheinselbständig? Diese Frage ist nicht neu. Mehrere Sozialgerichte in Deutschland haben sich schon damit auseinandergesetzt - und in den einzelnen Fällen ganz unterschiedlich entschieden. Manchmal durften die Ärzte als Freiberufler weiterarbeiten, manchmal wurde ihnen dies untersagt und die Klinken mussten die Sozialbeiträge nachzahlen.

So erging es auch den Ärzten und Kliniken, die sich nun vor dem Bundessozialgericht gegen die Entscheidungen der Deutschen Rentenversicherung wehren. Wieder sind es viele Einzelfälle mit denen sich die Richter in Kassel auseinandersetzen müssen und doch könnte ihr Urteil Signalwirkung haben. "Es kann wohl ein Grundsatzurteil erwartet werden", sagt der Justiziar des Bundesverbands der Honorarärzte, Markus Keubke.

Wie viele Ärzte als Freelancer an deutschen Kliniken arbeiten ist nicht genau bekannt. Von etwa 5000 Medizinern geht der Bundesverband der Honorarärzte in Deutschland aus. Ihre Aufträge bekommen sie meist durch Agenturen wie "doctari" oder "Hire a Doctor", die sich darauf spezialisiert haben Mediziner und Krankenhäuser zusammenzubringen.