Medizin Braucht es teure Zusatzleistungen beim Arzt?

Ärzte sollten sich fragen, welche IGeL-Leistung sie wirklich anbieten wollen.

(Foto: Jens Wolf/dpa)

Wenn Patienten für eine Therapie Geld bezahlen sollen, ist die Frage nach dem Nutzen legitim - auch wenn das manchen Medizinern nicht gefällt.

Kommentar von Felix Hütten

Viele kostenpflichtige Zusatzangebote beim Arzt, sogenannte IGeL-Leistungen, taugen nichts, meldete vor wenigen Tagen der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, kurz MDS. Es folgte eine große Aufregung unter Ärzten wie auch Patienten.

So mancher Mediziner wittert Stimmungsmache, immerhin seien viele individuelle Gesundheitsleistungen wie die professionelle Zahnreinigung oder die Lungenspirometrie etablierte Therapien. Wozu also, so tönt es aus den Praxen im ganzen Land, jetzt diese unnötige Verunsicherung der Patienten?

Bewertungen so transparent wie möglich

Doch die Debatte über die Wirksamkeit der Zusatzangebote ist wichtig. Immerhin beträgt das Volumen der erbrachten Leistungen jährlich etwa eine Milliarde Euro. Niedergelasse Ärzte verdienen also ordentlich Geld mit den Angeboten. Wenn Patienten derart viel Geld für medizinische Leistungen zusätzlich bezahlen sollen, ist die Frage nach dem Nutzen absolut legitim.

So mancher Arzt aber sträubt sich dagegen und moniert, der MDS sei keine unabhängige Institution, da eng an die Krankenkassen gebunden. Selbstverständlich sei es im Interesse der Kassen, so die Mediziner, möglichst wenige Therapieangebote erstatten zu müssen. Eine negative Bewertung im IGeL-Monitor, und zack, ist die Sache vom Tisch.

Um diesen Anschuldigungen zuvorzukommen, bemüht sich der MDS, Bewertungen so transparent wie möglich zu machen - für Laien wie Mediziner. Seit fünf Jahren untersuchen Experten des MDS Zusatzleistungen, und tatsächlich sind die Ergebnisse besser aufbereitet denn je. Die neu gestaltete Homepage des IGeL-Monitors präsentiert übersichtlich alle relevante Informationen für Patienten, die sich - zu Recht - manchmal fragen, ob ein Ultraschall der Eierstöcke oder eine Stoßwellentherapie für den Tennisarm wirklich sinnvoll sind. Die Auswertung der aktuellen Studienlage ist im Internet mit wenigen Klicks zu finden, wer mag, liest bis ins Detail, wie die Einschätzungen zustande gekommen sind. All das hilft, Arzt und Patient bei der Entscheidung über eine Therapie auf Augenhöhe zu bringen.

Das wiederum muss nicht bedeuten, dass jede vom MDS negativ bewertete IGeL-Leistung automatisch Unsinn ist. Es ist in der Medizin nun mal so, dass der persönliche Leidensdruck der Patienten im Einzelfall das eine oder andere Zusatzangebot in Betracht ziehen lässt - und sei es nur, damit etwas unternommen wird. Vor allem aber sollte der IGeL-Monitor Ärzte motivieren, sich selbst zu fragen: Biete ich diese Zusatzleistung nur an, um Geld zu verdienen - oder auch, weil ich meinen Patienten damit helfe?

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