bedeckt München 17°
vgwortpixel

Antibiotika:Deutsche Pharmafirmen klagen über einen hohen Preisdruck

Die Keimbrutstätten rund um Hyderabad ließen sich wahrscheinlich durch sorgfältige Abwassersysteme verhindern. Das sollte sich auch finanzieren lassen, schließlich lassen fast alle bedeutenden Generikahersteller dort Wirkstoffe produzieren - darunter so große Namen wie Ratiopharm, 1 A Pharma, Hexal oder Stada. Auf Anfrage teilen die Firmen mit, sie nähmen die Ergebnisse der Untersuchungen ernst. Doch sie verweisen zugleich darauf, dass die Hersteller regelmäßig und entsprechend den Gesetzen kontrolliert würden.

Die europäischen Gesetze verlangen allerdings nur, dass es drinnen sauber ist. Die Medikamente sollen nach den Regeln zur "Guten Herstellungspraxis" (GMP) produziert werden, es geht also um die Qualität der Arzneimittel und damit um den Schutz der EU-Bürger. Der Zustand der Umwelt spielt in diesen Vorschriften keine Rolle, er bleibt allein den lokalen Behörden überlassen.

11 000 Infektionen

pro Jahr werden in Krankenhäusern in Deutschland laut Schätzungen durch den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) ausgelöst, 4000 weitere durch Vancomycin- resistente Enterokokken und noch mal 8000 durch multiresistente Escherichia coli. Die fünf wichtigsten multiresistenten Erreger führen in Kliniken zu etwa 29 000 Infektionen.

Die indische Pharmaindustrie versucht das Thema herunterzuspielen

Das Umweltbundesamt (UBA) fordert schon seit Langem, die GMP-Regeln um Vorschriften für den Umweltschutz zu erweitern.

Die deutschen Pharmafirmen klagen derweil über den hohen Preisdruck, der auf ihnen laste. Angesichts der niedrigen Preise für Antibiotika könne die "Produktion in Deutschland nicht kostendeckend stattfinden", klagte jüngst der Verband Pro Generika, der fast alle bedeutenden Antibiotika-Hersteller vertritt. Deshalb sei die Auslagerung der Produktion nach Indien nötig.

Diese Argumentation will Karl Lauterbach nicht gelten lassen. Das sei "eine billige Ausrede der Pharmaindustrie", sagte der SPD-Gesundheitsexperte dem SWR. Dass Antibiotikaresistenzen "bei der Pharmaproduktion entstehen, ist nicht akzeptabel." Auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sprach nach Öffentlichwerden der Recherchen von NDR, WDR und SZ von "inakzeptablen Zuständen": "Pharmaunternehmen, die Arzneimittelbestandteile aus Asien einkaufen oder dort herstellen lassen, werden den Bericht zum Anlass nehmen, auf die Einhaltung vereinbarter Umweltrichtlinien stärker einzuwirken", sagte der stellvertretende BPI-Hauptgeschäftsführer Norbert Gerbsch.

Der Druck der Abnehmer dürfte auch nötig sein. Denn die indische Pharmaindustrie versucht bisher vor allem abzuwiegeln. Nur wenige indische Hersteller haben auf schriftliche Anfragen geantwortet, unter anderen MSN, ein wichtiger Zulieferer deutscher Pharmaunternehmen. In Proben, die in der Nähe von zwei der Fabriken des Unternehmens genommen wurden, fanden die Forscher hohe Konzentrationen an Medikamenten. MSN bestreitet, dafür verantwortlich zu sein, und zweifelt die Untersuchungsergebnisse an. Auch andere Firmen teilten mit, dass sie keine Abwässer in die Umwelt leiten. Es sei also gar nicht möglich, dass die gefundenen Substanzen aus ihren Werken stammen.

Infektionskrankheiten Keime, gegen die kein Mittel mehr hilft

Antibiotika-Resistenz

Keime, gegen die kein Mittel mehr hilft

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor den derzeit gefährlichsten antibiotikaresistenten Bakterien. In Krankenhäusern werden sie zur Lebensgefahr.   Von Christoph Behrens