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Pannen am Warntag:Die Katastrophen-Software

Bundesweiter Warntag -  Berlin

Hier kam die Probewarnung pünktlich: auf der Plakatwand in Berlin. Handybesitzer mussten vielerorts warten.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Seit mehr als zwei Wochen fahndet das Bundesinnenministerium nach der Ursache für die Pannen am Warntag. Bislang deutet viel auf eine Überforderung der Software hin, die die Bevölkerung bei Katastrophen alarmieren soll.

Von Max Muth

Seit am nationalen Warntag vor zwei Wochen die digitalen Sirenen zunächst stumm blieben, sind beteiligte Behörden in Deutschland auf Ursachenforschung. Das Bundesinnenministerium (BMI) muss klären, warum die großangekündigte nationale Warnung mindestens eine halbe Stunde verspätet auf den Handys der meisten Nutzer der offiziellen Warn-Apps "Nina" und "Katwarn" ankam. Der mittlerweile geschasste Chef des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Christoph Unger hatte nach der Panne erklärt, verantwortlich seien nicht abgesprochene Warnungen, die Leitstellen aus den Bundesländern in das System gejagt hätten. Diese Warnungen hätten das Modulare Warnsystem (MoWaS) praktisch verstopft. In MoWaS werden die Warnungen der angeschlossenen Leitstellen gesammelt und an die Ausspielkanäle verteilt, etwa an die Warn-Apps.

Die Berliner Morgenpost hatte unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, eine solche unabgesprochene Warnung habe unter anderem das Bundesland Bayern verschickt. Im Bayerischen Staatsministerium des Innern sieht man das anders. Das Ministerium selbst habe nicht gewarnt, schreibt eine Sprecherin, tatsächlich hätten aber einige regionale Einsatzzentralen Warnungen verschickt, etwa die Leitstelle Bayerischer Untermain und die Stadt München. Anders als vom BBK behauptet, seien diese Warnungen aber angekündigt gewesen und von der nationalen Behörde auch nicht beanstandet worden.

Nach SZ-Informationen gab es eine Vielzahl regionaler Warnungen aus diversen Bundesländern. Schwer vorstellbar, dass all diese Behörden sich wissentlich nicht an explizite Vorgaben des BBK gehalten haben sollen. Auch das BMI, das die Aufarbeitung des Warn-Fehlschlags verantwortet, sieht die Hauptursache mittlerweile an einem anderen Punkt im System. Am 10. September um kurz vor 11 Uhr, als die Warnung verschickt werden sollte, hätten verschiedene an das nationale Warnsystem MoWaS angeschlossene Behörden in Erwartung der Meldung immer wieder ihren Posteingang aktualisiert. Als die Meldung dann nicht pünktlich eintraf, wurde weiter aktualisiert. Diese kontinuierliche Datenbankabfrage habe das System überlastet, erklärt ein Sprecher des BMI.

Die Untersuchung des Vorfalls dürfte dem BMI zufolge noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Ob die Verstopfung von MoWaS durch Warnungen verschiedener Behörden oder die Überlastung durch ständige händische Aktualisierungen - beide Erklärungen sind peinlich für das Warnsystem der Bundes. Die Software wurde von der Hamburger Firma Mecom eigens für die Bundesrepublik gebaut und soll "verlässliche und schnelle Kommunikationswege" in Krisenfällen garantieren.

Diese Kommunikation ist im Fall des Warntags schiefgegangen. Manuel Atug, Gründer und Sprecher der AG Kritis, vermutet, dass dabei auch die Ressourcen-Ausstattung der zuständigen Behörde BBK eine Rolle spielen könnte: "Offenbar handelt es sich bei der Software nicht um einen verlässlichen Weg, der ausreichend getestet wurde und im Sinne des Anspruchs an ein Warnsystem belastbar ist," sagt Atug, der zusammen mit anderen Experten für kritische Infrastruktur nach der Entlassung Ungers in einem offenen Brief die mangelnde Fehlerkultur im Innenministerium kritisiert hatte.

© SZ/jab/feko

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