Politik auf Youtube"Die jungen Wähler sind von den Volksparteien enttäuscht"

War die Wahlempfehlung gegen CDU und SPD gerechtfertigt? Hat die Politik angemessen reagiert? So stehen sechs deutsche Youtuber zu der Debatte um Rezos Videos.

Protokolle von Caspar von Au

Felix von der Laden

Rund eine Woche vor der Europawahl hat der Youtuber Rezo mit einem knapp einstündigen Video, in dem er die CDU scharf kritisiert, eine Debatte ausgelöst. Zwei Tage vor der Wahl legte er nach, in dem er zusammen mit mehr als 90 anderen Youtubern seine Zuschauer aufforderte, weder CDU, SPD noch der AfD ihre Stimme zu geben. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer stellte daraufhin am Montag infrage, ob Meinungsmache im Netz so kurz vor einer Wahl zulässig sei - und erntete einen Shitstorm.

Wir haben mit bekannten deutschen Youtubern wie Felix von der Laden, "mirellativegal" und "AlexiBexi" über die Debatte gesprochen:

Felix von der Laden

Alter: 24

Kanal: Felix von der Laden

Themen: Autorennen, Autos und Reisen

Reichweite: ca. 3,2 Millionen Abonnenten

Als ich gefragt wurde, ob ich mich an Rezos Video-Statement beteiligen wolle, habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Ich finde es nicht richtig, in einem Video zu sagen: "Wählt CDU und SPD nicht!" Das impliziert, dass die anderen Parteien alles richtig machen. So einfach ist das aber nicht.

Trotzdem ist mir eines aufgefallen: Selbst jetzt nach der Wahlschlappe heißt es aus der Politik: "Wir müssen besser digital kommunizieren." Nein! Sie erreichen die jungen Leute doch schon, die finden nur einfach das, was ankommt, inhaltlich Mist. Die Debatte um die Urheberrechtsreform und Artikel 13 hat gezeigt, dass wir jungen Menschen uns für Politik interessieren. Wir konnten in unseren Youtube-Videos sehr klein herunterbrechen, wie Gesetze in der EU gemacht werden und welche Konsequenzen Artikel 13 möglicherweise haben wird. Das hat erst den Weg geebnet für Rezos Video, das viele Menschen aufgerüttelt hat. Für Youtube ist das eine positive Entwicklung. Für die Volksparteien eher nicht. Viele junge Wähler sind von ihnen enttäuscht, weil sie im Koalitionsvertrag vereinbarte Versprechen brechen - zum Beispiel, dass es keine Upload-Filter geben soll. Das wird sich noch lange, lange auf Wahlergebnisse auswirken.

Bild: privat 31. Mai 2019, 10:322019-05-31 10:32:59 © SZ.de/mri/jab