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Trump-Sanktionen:Huaweis Top-Modell droht der Android-Flop

FILE PHOTO: A Huawei company logo is pictured at the Shenzhen International Airport in Shenzhen, China

Die Sanktionen von Donald Trump verbieten es US-Unternehmen, Geschäfte mit Huawei zu machen. Dem chinesischen Konzern drohen Milliardenverluste.

(Foto: REUTERS)
  • Huawei wird sein kommendes Oberklasse-Smartphone Mate 30 wohl ohne Android und Google-Dienste ausliefern müssen.
  • Google darf seine Software nicht freigeben, weil ein Embargo der US-Regierung Geschäfte mit Huawei verbietet.
  • Unter dem Handelsstreit leiden alle: Huawei, Google - und Nutzer, die sich für das Mate 30 interessieren.

Der 18. September sollte ein großer Tag für Huawei werden. In drei Wochen will das chinesische Unternehmen sein neues Spitzen-Smartphone Mate 30 in München vorstellen. Doch die Präsentation könnte zum Trauerspiel werden: Huaweis Flaggschiff muss wohl ohne Dienste von Google auskommen und auf grundlegende Bestandteile des Android-Betriebssystems verzichten.

Google wird seine Software nicht für das Mate 30 freigeben. Das betrifft Google-Apps wie Gmail, Youtube, Chrome und Googles Kartendienst Maps sowie den Play Store. Diese Dienste sind sonst auf Android-Smartphones vorinstalliert. Das Embargo der US-Regierung gegen Huawei zwinge Google, dem chinesischen Hersteller die Unterstützung zu entziehen, bestätigte ein Sprecher einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

Für Huawei wäre das eine Katastrophe. In Sachen Hardware mag das Mate 30 das künftige Top-Modell sein - ohne entsprechende Software könnte es zum Flop werden. Außerhalb von China sind Smartphones ohne Google-Dienste nahezu unverkäuflich.

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Finden die beiden Unternehmen nicht schnell eine Lösung, um trotz der Sanktionen von Donald Trump zusammenarbeiten zu können, gibt es nur Verlierer: Huawei, Google - und alle Nutzer, die sich für das Mate 30 interessieren. "Wenn die US-Regierung es uns ermöglicht, werden wir weiter mit Android arbeiten", sagt ein Huawei-Sprecher. "Wenn nicht, werden wir weiter unser eigenes Betriebssystem entwickeln."

Im Mai hatte der US-Präsident den Telekommunikations-Notstand ausgerufen und amerikanischen Unternehmen verboten, Geschäfte mit Huawei zu machen. Trump wirft dem Konzern Spionage vor und unterstellt ihm allzu enge Verbindungen zur chinesischen Regierung. Kurz darauf lockerte Handelsminister Wilbur Ross aber die Auflagen und erteilte Huawei eine zeitlich begrenzte Sondererlaubnis. Die Frist wäre eigentlich am 19. August abgelaufen, doch am Stichtag gewährten die USA Huawei weitere 90 Tage Aufschub bis Mitte November.

Die Ausnahmeregelung gilt allerdings nur für Geräte, die bereits auf dem Markt sind. Das Mate 30 ist das erste neue Huawei-Smartphone, seit Trump den Handelsstreit eskalieren ließ. Google darf Huawei dafür also keine Software verkaufen.

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Besonders schwer wiegt der Verlust des Play Store. Damit wird das Mate 30 aus Googles Ökosystem ausgesperrt. Nutzer können Apps nicht mehr gewohnt installieren und aktualisieren, sondern müssen alternative App-Stores nutzen. Huawei darf nur noch auf das quelloffene Android Open Source Project (AOSP) zugreifen. Es stellt aber nur ein Gerüst dar, das ohne weitere Software und Treiber nicht funktionsfähig ist.

Dem US-Handelsministerium sollen Reuters zufolge mehr als 130 Anträge von Unternehmen vorliegen, die weiter mit Huawei Geschäfte machen wollen. Bislang sei keine dieser Lizenzen erteilt worden. Ob Google ebenfalls eine Ausnahme beantragt hat, ist unklar. Ein Sprecher sagte nur, dass man weiter mit Huawei zusammenarbeiten wolle.

Seit Monaten versucht Huawei, bestehende Nutzer und potenzielle Käufer zu beruhigen. Auf der Webseite zukunftsversprechen.de heißt es, dass 17 aktuelle Geräte die kommende Android-Version 10 erhalten würden. "Smartphones und Tablets, die verkauft wurden, aktuell verkauft werden oder auf Lager sind, werden weiterhin Sicherheits- und Softwareupdates erhalten", schreibt Huawei. Für neue Geräte wie das Mate 30 gilt dieses Versprechen aber eben nicht.

Huawei will mit einer Android-Alternative unabhängig werden

Vor zwei Wochen zitierte Bloomberg aus einem internen Memo. Der Verbraucher-Sparte stehe ein "schmerzhafter langen Marsch" bevor, schrieb Huawei-Gründer Ren Zhengfei. Die Unsicherheit schreckt Nutzer bereits jetzt ab: Im zweiten Quartal verkaufte Huawei in Europa fast zwei Millionen Smartphones weniger als im Vorjahr, der Marktanteil sank um mehr als 16 Prozent. Analysten prognostizieren Verluste im zweistelligen Milliardenbereich.

Um Trumps Sanktionen nicht länger hilflos ausgesetzt zu sein, arbeitet Huawei daran, unabhängiger von Google zu werden. Das Unternehmen entwickelt sein eigenes Betriebssystem, das im Westen unter dem Namen Harmony OS vermarktet werden soll. Alle bislang bekannten Details deuten jedoch darauf hin, dass Harmony eher eine Plattform für unterschiedliche Gerätekategorien darstellt. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass Huawei in naher Zukunft eine vollwertige Alternative zu Android anbieten kann. In der Vergangenheit sind Unternehmen wie Mozilla, Nokia und Microsoft mit dem Versuch gescheitert, eigene mobile Betriebssysteme zu etablieren.

Unter dem Handelskrieg leidet aber nicht nur Huawei. "Aus Trumps Sicht ist der Huawei-Bann Harakiri", sagte Eric Matthes der SZ im Mai. Er ist Deutschland-Chef von HMD Global, das unter dem Markennamen Nokia Smartphones verkauft. Huawei bestelle massenhaft Hardware von US-Unternehmen, sagte Matthes. Das Importvolumen übersteige den Umsatz in den USA bei weitem. "Der gute Herr Trump ist aufgeschmissen, wenn er allein ein Smartphone bauen will. Das Risiko für die USA ist enorm."

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