"Data Transfer Project" Tech-Riesen wollen Nutzern Daten-Umzug erleichtern

Blick in ein Rechenzentrum von Facebook.

(Foto: AP)
  • Microsoft, Facebook, Google und Twitter haben ein neues Projekt zum Export persönlicher Daten vorgestellt.
  • Dabei sollen künftig persönliche Profile, aber auch Dateien wie Musik-Playlists mit einem einzigen Klick zu einem neuen Anbieter kopiert werden können.
  • Damit signalisieren die Konzerne Bereitschaft, Konkurrenz zuzulassen, können aber gleichzeitig auch vom Datenfluss profitieren.
Von Johannes Kuhn, Austin

Wenn Google, Facebook, Microsoft und Twitter gemeinsam etwas anzukündigen haben, ist das ganze Internet betroffen. Das gilt auch für das "Data Transfer Project", das die Firmen am Freitag vorstellten.

Dabei geht es um die "Datenportabilität", ein Kernbestandteil der Europäischen Datenschutzrichtlinie. Kurz gesagt handelt es sich dabei um die Möglichkeit, mit seinem Profil oder sonstigen personenbezogenen Daten von Plattform A nach Plattform B umzuziehen.

Google Dieses Betriebssystem soll Android ersetzen
Google

Dieses Betriebssystem soll Android ersetzen

Google arbeitet an "Fuchsia", das auf Handys, Tablets und Laptops laufen soll. Es lässt sich völlig anders bedienen als Android - und wirkt wie von Facebook inspiriert.   Von Marvin Strathmann

Bislang war das etwas umständlich: Ein Nutzer konnte zwar seine Daten herunterladen, musste diese dann aber auf seinem Computer zwischenspeichern, um sie danach woanders wieder hochzuladen. Im Falle von Fotos oder Dokumenten ist dies zum Beispiel oft mühsam und zeitaufwendig. Wer seinen Musikstreaming-Dienst wechseln möchte, muss für den Export von Alben und Playlists eine Drittanbieter-App nutzen.

Das "Data Transfer Project" soll solche Wechsel vereinfachen. Wer zum Beispiel seine Instagram-Fotos auf den Yahoo-Fotoservice Flickr kopieren möchte, kann dies künftig mit einem einzigen Mausklick. Gleiches gilt zum Beispiel beim Kopieren von Cloud-Daten von Google zu Microsoft.

Ein offener Software-Baukasten bietet den Grundlagen-Code, damit Betreiber von Online-Portalen und Apps eigene Adapter bauen können, um die Daten zwischen den Diensten zum Fließen zu bringen.

Als Beispiele für mögliche Datentransfers nennen die Verantwortlichen:

  • Der Export von Playlists beim Wechsel eines Musikstreaming-Anbieters.
  • Der direkte Upload von Social-Media-Fotos zu Bilderalben-Anbietern, um diese dort auszudrucken.
  • Cloud-Anbieter A macht pleite. Cloud-Anbieter B baut einen Adapter, damit die Kunden von A ihre Daten zu ihm exportieren können.
  • Der Supermarkt-Verband einigt sich darauf, dass Kunden ihre Kaufhistorie von Händler X zu Händler Y transferieren können, um in dessen Bonusprogramm nicht bei Null anzufangen.

Letztlich soll also das "Data Transfer Project" ein neuer Standard werden, der nebenbei Bereitschaft signalisiert, die Europäische Datenschutzrichtlinie über das verordnete Maß hinaus zu erfüllen. Zudem ist die Unterstützung der Datenportabilität ein Argument gegen den Vorwurf, eine Monopolstellung anzustreben und den Nutzer an die eigenen Dienste zu fesseln.

Ob der Standard angenommen wird, hängt von der weiteren Beteiligung ab. Akteure wie Amazon, Apple und Dropbox sind noch nicht involviert.

Für die Tech-Giganten hat Datenportabilität insofern Risiken, als Kunden nun einfacher zu Start-Ups oder Konkurrenten wechseln könnten. In der Praxis aber könnte der Datenfluss in Richtung der Großkonzerne verlaufen, wenn diese zum Beispiel kleine Cloud-Anbieter preislich unterbieten oder in neue Geschäftsfelder expandieren, wo Kunden bereits Daten angesammelt haben, die sie ihnen dann übertragen.

Das "Data Transfer Project" ist nicht wie viele andere Schnittstellen auf einen ständigen Datenaustausch zwischen den Diensten angelegt, sondern für einen einmaligen Export, also einen Kundenwechsel.

Paul-Olivier Dehaye von der Organisation PersonalData.IO, die persönliche Datenkontrolle propagiert, nennt den Vorstoß gegenüber SZ einen "wertvollen Versuch, der aber zu kurz greift". Er erinnert daran, dass die Europäische Datenschutzrichtlinie nicht alle gesammelten Daten erfasst, zum Beispiel die Auswertung des Surfverhaltens von Facebook- und Google-Nutzern.

Diese Datensätze lagerten entsprechend weiterhin einzig auf den Servern der Konzerne, ohne Zugriffsmöglichkeit für die Nutzer. "Die mit diesen Werkzeugen exportierbaren Daten sind nur diejenigen, die eine Firma nicht für strategisch wichtig hält."

Datenschutz Was Facebook wirklich weiß

Datenschutz

Was Facebook wirklich weiß

Die Nutzer können die vom Netzwerk gespeicherten Daten einsehen, doch was heißt das genau? Ein Selbstversuch.   Von Simon Hurtz