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Apple:Ein Schlüssel für alle Restaurants, Banken und Häuser

Apple wird die Entscheidung zu Farooks Smartphone anfechten, am Ende könnte der komplexe Fall vor dem Obersten Gerichtshof landen. Sollte der Richterspruch dennoch Bestand haben, ist in Zeiten, in denen der Kampf des Westens mit dem IS härter wird, zu erwarten, dass die Exekutive sich nicht mit einem einzelnen iPhone zufrieden geben wird.

Nicht nur, dass sich Ermittler in anderen Fällen auf die Entscheidung berufen und Unternehmen zum Zugriff auf einzelne Geräte drängen könnten. Würde Apple dem FBI Zugang zum neu geschriebenen Code ermöglichen, könnten die Experten der Behörde aus ihm lernen und möglicherweise auch die Verschlüsselung anderer iPhones knacken. Apple müsste ja ein Verfahren entwickeln, das immer funktioniert. Das meint Tim Cook, wenn er das vom FBI geforderte Programm mit einem Generalschlüssel vergleicht, "für Hunderte Millionen Schlösser, für Restaurants, Banken und Wohnhäuser".

Wenn Apple gezwungen werden kann, eine so invasive Software zu schreiben, warum nicht auch andere Unternehmen? Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mehrerer Messenger wäre in Gefahr. Und könnte Facebook verpflichtet werden, im Auftrag von Behörden einen Algorithmus zu basteln, der ihnen bei ihrer Schnüffelei nutzt? Und auch jenseits der Android-Smartphones weiß Google über seine Suchmaschine, was Menschen suchen.

Cooks Brief lässt darauf schließen, dass Apple kämpfen wird. Die Konzerne haben sich für ihre Kunden entschieden und gegen die Sicherheitsbehörden. Sie gehen eine Allianz mit Bürgerrechtlern ein. Das heißt nicht, dass sie bereit sind, deren Werte bis zuletzt zu verteidigen, auch wenn das zum libertären Selbstbild der Branche passt - viel Wirtschaft, wenig Staat.

Vor allem aber weiß das Silicon Valley spätestens seit Snowden, dass Kommunikationsprodukte schnell wenig wert sein können, wenn Nutzer ihnen nicht mehr vertrauen. Auch wenn Bequemlichkeit und Gruppendruck die Masse bisher daran hindern, sich von den Produkten der großen Player zu verabschieden.

Selbst wenn die Motive rein ökonomisch sind, sind die Konzerne, die unsere Kommunikation beherrschen, ein willkommener Verbündeter für Datenschutzaktivisten. Den Unternehmen kommt eine gesellschaftliche Schlüsselfunktion zu, seit wir alle uns von ihnen abhängig gemacht haben.

Update 18. Februar:

Silicon-Valley-Größen schlagen sich auf Apples Seite: Auch Googles CEO Sundar Pichai, Microsoft-Chef Satya Nadella und Whatsapp-Gründer Jan Koum unterstützen Tim Cooks Gegenwehr gegen das FBI und verbreiteten seine Stellungnahme weiter (Whatsapp gehört zu Facebook).