Alibaba vor dem Börsengang:Chinas Smartphone-Revolution verändert alles

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Bisher waren die Rollen in der chinesischen Internetwirtschaft klar verteilt: Alibaba dominierte den Onlinehandel, Tencent die Welt der Spiele und der sozialen Netzwerke und Baidu die Suche im Internet. Doch seit dem Siegeszug der Smartphones ist unterwegs alles möglich - und diese Möglichkeiten werden in China stärker genutzt als anderswo auf der Welt. Keiner der großen Drei will den anderen das Spielfeld überlassen. Alle wittern weitere Milliardengewinne. Und so kommen sie sich immer stärker in die Quere. Alibaba hat sich bei dem Kurznachrichtendienst Weibo eingekauft - ein Angriff auf Tencent. Mit der Übernahme von Autonavi macht der Konzern zudem Baidu dessen Führung bei mobilen Kartendiensten streitig. "Die Kauflust der Großen wird eine neue Leidenschaft in Chinas Gründerszene entfachen. Die chinesische Wirtschaft wird sich dadurch insgesamt zügig verändern", sagt Fang Xingdong von der Pekinger Beratungsfirma Chinalabs.

Dabei kann das Reich der Mitte auf immer mehr exzellent ausgebildete Entwickler setzen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in dem Land steigen; die Zahl der dort angemeldeten Patente ebenfalls. Selbst amerikanische Technologiemanager versetzt dies ins Staunen.

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Amazon-Chef Jeff Bezos war einer der ersten, der im Netz global erfolgreich war.

Wird Alibaba also bald schon Amazon in die Quere kommen? Jakob traut dem Konzern einiges zu. Im Gegensatz zu Baidu oder Tencent.

Vor allem das Tempo, mit dem Alibaba einen Trend erkennt, die passende Antwort dazu entwickelt und auf den Markt bringt, sei beeindruckend. Google etwa hatte die Idee zu seinem sozialen Netzwerk Google+ vor drei Jahren zum richtigen Zeitpunkt - als viele vom Andrang bei Facebook genervt waren. Doch dann wurde Google+ lange nur auf Einladung freigegeben, und irgendwann interessierte es keinen mehr. Ganz ähnlich verläuft nun die Testphase von Googles Datenbrille: erst neugierig machen, dann aber doch das fertige Produkt aus reiner Technikverliebtheit erst präsentieren, wenn der Hype schon wieder vorbei ist. "Da sind die Chinesen flinker. Die erkennen den Hype - und reagieren sofort." Das mache Alibaba so unberechenbar.

Vielleicht wird Alibaba also Amazon nicht ersetzen, sondern ergänzen. Vielleicht werden die Chinesen bald schon ein Segment besetzen, das noch spannender wird als Amazon, Google und Facebook.

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Mark Zuckerberg brachte Facebook 2012 an die Börse.

So baut Alibaba neben seinem Marktplatz gerade einen landesweiten Finanzdienstleister auf. Gründer Ma hatte schon vor einiger Zeit kritisiert, dass die staatlichen Geldinstitute nur einen kleinen Teil der chinesischen Bevölkerung erreichen. In dem größeren Teil sah er vor allem eine Chance für Alibaba. Am Anfang standen die Konten des Bezahldienstes Alipay. Inzwischen lässt sich darüber auch die Strom- oder Wasserrechnung begleichen; seit Kurzem gibt es sogar eine App, mit der man ganz ohne Bargeld eine Taxifahrt bezahlen kann.

Und Alibaba vergibt auch Kredite. Schließlich kennt der Konzern die Gewohnheiten von Millionen Chinesen - und weiß, wer kreditwürdig ist. Binnen weniger Monate hat Alibaba Millionen von Anlegern mit höheren Zinsen dazu verleitet, umgerechnet etwa 30 Milliarden Euro lieber online als bei einer staatlichen Bank zu hinterlegen.

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Google ist vom Start-Up zum mächtigen Konzern geworden.

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