bedeckt München 30°

Chinesischer Internetkonzern:Alibaba will an die US-Börse

Es könnte der größte Börsengang seit Facebook werden. Die Handelsplattform Alibaba kontrolliert bereits 80 Prozent des chinesischen Onlinehandels - nun plant das Unternehmen sein Aktiendebüt in New York.

Die chinesische Online-Handelsplattform Alibaba hat einen Börsengang in den USA angekündigt. Die Vorbereitungen hätten begonnen, sagte Alibaba-Sprecherin Florence Shih. Mit schätzungsweise 15 Milliarden US-Dollar könnte es das größte Aktiendebüt seit dem des sozialen Netzwerks Facebook mit 16 Milliarden US-Dollar werden.

Es wäre auch ein Rekord für China: Kein chinesisches Unternehmen hat jemals eine derart große Aktienplatzierung unternommen. "Der Börsengang wird aus uns eine globalere Firma machen und die Transparenz des Unternehmens erweitern", sagte die Sprecherin. Alibaba könne mit dem Kapital seine langfristigen Ziele und Ideale verfolgen. Ob der Börsengang schon im April erfolgt, wie Medien spekulieren, wollte die Sprecherin nicht sagen.

Schwerer Schlag für Hongkong

Die Entscheidung für New York ist ein schwerer Schlag für den Finanzplatz Hongkong, mit dem Alibaba lange verhandelt hatte. Doch wollte die Börse der Hafenmetropole die gewünschte Führungsstruktur unter Hinweis auf sein Börsenrecht nicht zulassen. Gründer Jack Ma und andere Top-Manager wollen damit die Kontrolle behalten, was nach den Vorschriften in den USA möglich sein wird. Ein Aktiendebüt auf dem Kapitalmarkt in China wollte Alibaba nicht ausschließen, "wenn die Umstände es in Zukunft erlauben", hieß es in einer Mitteilung vom Firmensitz im ostchinesischen Hangzhou.

Alibaba kontrolliert 80 Prozent des Online-Handels und besitzt mit Taobao und TMall zwei Plattformen. Die jährlichen Transaktionen erreichen umgerechnet mehr als 150 Milliarden US-Dollar im Jahr. Auf Taobao bieten sechs Millionen kleinere chinesische Hersteller und Händler ihre Waren an. Analysten schätzen den Wert des Unternehmens auf 140 bis 150 Milliarden US-Dollar. Die zwei größten Anteilseigner sind Yahoo mit 24 Prozent und Japans Softbank Corp. mit 37 Prozent. Gründer Ma und andere Spitzenmanager besitzen zusammen etwa 13 Prozent.

Alibaba ist im vergangenen Jahr beim chinesischen Twitter-Konkurrenten Weibo des Internetriesen Sina eingestiegen und besitzt als zweitgrößter Aktionär rund 18 Prozent. Der Kurzmitteilungsdienst will ebenfalls in den USA an die Börse gehen, wie am Wochenende bekannt wurde.

Mit Sina Weibo und Alibaba würde sich der Trend zu US-Börsengängen von chinesischen Internet-Unternehmen verstärken. Auch der Online-Händler JD.com kündigte eine 1,5 Milliarden Dollar schwere Aktienplatzierung an, ebenso die auf den Verkauf von Kosmetik spezialisierte Website Jumei.

© SZ.de/dpa/cag/kfu

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite