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Schulen - Hamburg:Hamburg plant Lernferien für benachteiligte Schüler

Ausbildung
Schüler melden sich im Unterricht. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Hamburg (dpa/lno) - Um Lerndefizite während der Corona-Zeit auszugleichen, plant die Hamburger Schulbehörde für benachteiligte Schüler Unterricht in den Ferien. Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack habe Hamburgs Schulen vor gut einer Woche in zwei Briefen über die Planungen zu den sogenannten Lernferien informiert, bestätigte Behördensprecher Peter Albrecht am Mittwoch. Bei den Stadtteilschulen und der Lehrergewerkschaft GEW kommen die Pläne gar nicht gut an. Zuvor hatten Medien über die Pläne berichtet.

Vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien hatten und haben Probleme damit, dass der reguläre Unterricht in der Schule über Wochen wegen der Corona-Pandemie ausgefallen ist. "Wir möchten den Schülerinnen und Schülern in den Sommerferien auf freiwilliger Basis zusätzliche Lernangebote machen", sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) dem "Hamburger Abendblatt".

Die "Lernferien" richteten sich an Schüler mit hohen Lernrückständen. Es sei Aufgabe der Schulen, infrage kommende Schüler anzusprechen. "Wir rechnen damit, dass 10 bis 20 Prozent der Schüler das Angebot annehmen werden", sagte Rabe. Die Schulen könnten Lehrer oder Honorarkräfte wie pensionierte Lehrer und Lehramtsstudierende einsetzen. Die Kosten übernehme die Schulbehörde.

Landesschulrat Altenburg-Hack hat dazu zwei Schreiben an die Schulen geschickt. Das erste Schreiben richtet sich an Schulen in sozialen Brennpunkten (Sozialindex 1 und 2). "Das Angebot wird in den letzten drei Sommerferienwochen, d. h. zwischen dem 13. Juli und dem 31. Juli stattfinden und umfasst für die Schülerinnen und Schüler im Regelfall jeweils zwei zusammenhängende Wochen mit 15 Stunden à 45 Minuten pro Woche", heißt es darin. Die Teilnahme ist freiwillig.

Die gleiche Regelung gilt auch für die übrigen Schulen (Sozialindex 3 bis 6), die allerdings bei der Organisation der Lernferien flexibler vorgehen können. "Das Angebot richtet sich vorrangig an Ihre Schülerinnen und Schüler mit Lernschwächen oder Sprachförderbedarf von der Vorschulklasse bis zur Klassenstufe 9", schreibt Altenburg-Hack an die Schulleitungen.

Gegen die Pläne formiert sich massiver Protest. So heißt es in einer Stellungnahme der Vereinigung der Schulleiter an Stadtteilschulen: "Die Aufforderung, Arbeitskraft und Ideen nun auch noch in eine plakative Ferienschule zu stecken, schlägt dem Fass den Boden aus und ist an Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten."

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) übt Kritik. "In einer Telefonkonferenz zeigten sich GEW-Schulleitungen fassungslos darüber, mit welcher Ignoranz hier eine Maßnahme nach der anderen ohne vorherige Beratung mit den Praktikern vor Ort im Top-down-Verfahren angewiesen wird", sagte die GEW-Landesvorsitzende Anna Bensinger-Stolze dem "Abendblatt". Die GEW lehne "jede Art von Überstunden und Mehrarbeit in den Ferien" ab.

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