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Hochschulabschluss:Studierende fordern Rechtsanspruch auf Masterplatz

In Befragungen von Personalchefs hört man oft auch gar nicht Klagen übers Fachliche - sondern darüber, dass die Akademiker Anfang 20 einfach noch zu unreif sind.

Der studentische Dachverband fzs will einen Rechtsanspruch für alle Bachelorabsolventen auf den Masterplatz: "Die Hochschulen haben aufgrund der schlechten Umsetzung der Bachelorstudiengänge versäumt, den Bachelor als vollwertigen Abschluss zu etablieren. Jetzt müssen sie den Studierenden den Weg in den Master ebnen." Laut dem Bologna-Bericht der Bundesregierung steht "für jeden interessierten Bachelorabsolventen heute ein Masterstudienplatz zur Verfügung" - unterm Strich wohlgemerkt, gegebenenfalls ist die Uni zu wechseln.

Zugangshürden zum Master - durch die Bachelor-Note oder spezielle Tests - sind daher keine Seltenheit. Hochschulen nehmen nicht jeden blind in den Master auf, weil sie wenig Kapazitäten und mit der Versorgung der Erstsemester schon genug zu tun haben. Andererseits wollen viele Rektoren ungern das Prinzip der Reform konterkarieren - der Bachelor als Regelabschluss, der Master als Spezialisierung oder nur für die Besten. Die Hochschulen stecken in der Bachelor-Falle.

Acht Semester Bachelorstudium statt sechs stehen zur Debatte

Auch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ist uneins. 2012 hatte HRK-Präsident Horst Hippler im SZ-Interview gesagt: Ein Bachelor in Ingenieurwesen sei "nie im Leben ein Ingenieur". Eine Universität müsse "mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung. Das tut sie mit dem Bachelor nicht".

Das Echo darauf war enorm, vor allem FH-Chefs pochten darauf, dass der Bachelor bei ihnen funktioniere; auch manche Uni-Rektoren sahen den Abschluss zu pauschal beurteilt. In der Folge werkelte eine HRK-Arbeitsgruppe an Verbesserungen - am Studienbetrieb, Anwesenheitspflichten oder Zeitfenster für Auslandsaufenthalte. Die Frage, wie man den Bachelor aufwertet, fehlte weitgehend.

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In jüngster Zeit findet aber eine Idee zunehmend Sympathisanten, unter Bologna-Freunden wie Kritikern der Reform: die Ausdehnung der Bachelor-Studienzeit auf acht Semester. Der HRK-Vize und Hamburger Uni-Chef Dieter Lenzen, der jüngst mit einem Buch ein scharfes Bologna-Tribunal abhielt, sagt: Das Problem sei, "dass nach sechs Semestern eine Berufsfähigkeit im Sinne eines Hochschulabschlusses, wie er früher war, nicht gegeben ist".

Die Länder stellten jedoch das Geld für einen Acht-Semester-Bachelor nicht bereit - wenn eine Hochschule dies anbiete, müsse sie teils von vier Semestern Master zwei streichen. Flexiblere Studienzeiten? Die nehmen sich freilich immer mehr Leute schon in Eigenregie. Dem Statistischen Bundesamt zufolge halten nur 40 Prozent aller Studenten die Regelstudienzeit ihres Fachs ein.