Deggendorf:Lehrerpräsident sieht Tablets an Grundschulen mit Skepsis

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Deggendorf (dpa/lby) - Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, betrachtet den Einsatz von Tablets an Grundschulen mit Skepsis. Die Digitalisierung verändere die Gesellschaft - und Schulen sollten technisch in der Lage sein, Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten. Für den Lernfortschritt brächten Computer Studien zufolge aber wenig, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Wo Unterricht mit dem Computer eher schade als nütze, sei an Grundschulen. Weil die Nutzung von Tablets das Erlernen der kulturellen Grundtechniken behindere: "Also selber schreiben, selber lesen, selber rechnen, bevor man einen Taschenrechner bedienen kann."

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Deggendorf (dpa/lby) - Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, betrachtet den Einsatz von Tablets an Grundschulen mit Skepsis. Die Digitalisierung verändere die Gesellschaft - und Schulen sollten technisch in der Lage sein, Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten. Für den Lernfortschritt brächten Computer Studien zufolge aber wenig, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Wo Unterricht mit dem Computer eher schade als nütze, sei an Grundschulen. Weil die Nutzung von Tablets das Erlernen der kulturellen Grundtechniken behindere: „Also selber schreiben, selber lesen, selber rechnen, bevor man einen Taschenrechner bedienen kann.“

Mit dem Einsatz von Taschenrechnern habe man in manchen Bundesländern darauf verzichtet, den Kindern das Kopfrechnen beizubringen, sagte Meidinger. „Mit teilweise fatalen Folgen für den Matheunterricht an weiterführenden Schulen.“ So hätten Schüler in der Mittelstufe teilweise massive Probleme mit dem Bruchrechnen bekommen. „Da kommt es ja darauf an, dass man Quadratzahlen erkennt und kürzen kann.“

Auch beim Schreibenlernen kann der Computer dem Lehrerpräsidenten zufolge hinderlich sein. In einigen Bundesländern gehe die Tendenz zu einer vereinfachten Ausgangsschrift. „Das heißt, man darf die Buchstaben noch verbinden, aber es ist jedem Kind selbst überlassen, wie es das tut - und wenn es die Buchstaben nicht verbindet, ist es auch wurscht.“ In Asien und vielen US-Bundesstaaten sei es schon so, dass die Kinder eigentlich nur noch tippen können müssten.

„Ich glaube schon, dass einiges verlorengeht, wenn man über keine eigene Handschrift mehr verfügt. Vielleicht sehe ich das falsch und es ist nur mein Gefühl - aber die Formulierung von Gedanken ist eine andere, wenn ich handschriftlich schreibe, als wenn ich tippe.“ Bei der Schreibmaschine habe man sich noch genau überlegen müssen, was man schreibt, bevor man losgelegt hat.

Heute gehe es mehr um Textbearbeitung. „Man schreibt, löscht, ersetzt, ändert - das ist eine große Beliebigkeit gegenüber dem ersten Gedanken, den man fasst.“ Schreibt man einen Aufsatz handschriftlich, habe man die Verantwortung, das Thema vorher zu strukturieren und geistig zu erfassen. „Da ist schon ein größerer Aufwand dahinter, der das Gehirn ganz anders fordert.“

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