Wittelsbacher Der letzte Kronprinz von Bayern

Der letzte bayerische Kronprinz Rupprecht heiratete im April 1921 auf Schloss Hohenburg bei Lenggries Prinzessin Antonia von Luxemburg, Tochter des Großherzogs Wilhelm von Nassau-Luxemburg. Seine erste Frau Marie Gabriele starb bereits 1912.

(Foto: Scherl/SZ Photo)

Rupprecht von Bayern wäre wohl König geworden, hätte die Revolution nicht das Ende der Monarchie besiegelt. Er war Feldherr, Staatsmann - und kurz die Hoffnung der Nazigegner.

Von Hans Kratzer

Obwohl die Monarchie im November 1918 vom Sturm der Revolution hinweggefegt wurde, hallte ihr Ruf in Bayern noch lange nach. Als im August 1955 der letzte Kronprinz Rupprecht zu Grabe getragen wurde, waren viele Trauergäste von dem Gefühl ergriffen, sich gerade von einem König verabschiedet zu haben. Hätte das Königreich Bayern nach 1918 fortbestanden, dann wäre Rupprecht tatsächlich König geworden.

Der Kronprinz, dessen Geburtstag sich am Samstag zum 150. Mal jährt, war der älteste Sohn von König Ludwig III., jener tragischen Figur, die unter dem Druck der Revolution das Ende der 738 Jahre währenden Herrschaft der Wittelsbacher besiegelt hat. Umso schärfer bündeln sich im Leben des Kronprinzen Rupprecht (1869-1955) die Wirren der bayerischen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gleichwohl ist es trotz einer Vielzahl biografischer Erörterungen nach wie vor schwierig, ein schlüssiges Bild dieses Mannes zu zeichnen.

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Welch große Anerkennung Rupprecht in Bayern genoss, kam auf seinem letzten Erdenweg sinnfällig zum Ausdruck. Die Krone, die ihm verwehrt blieb, wurde auf Veranlassung des Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner (SPD) aus der Schatzkammer der Residenz geholt und bei der Trauerfeierlichkeit auf den Katafalk gelegt. Die Spekulation, wie er sich als König geschlagen hätte, muss schon wegen dieses Pomps erlaubt sein. Der Historiker Golo Mann hob seine gute Gesinnung hervor: "Er war ein vorzüglicher Mann, ein echter Landesvater." Auch die 2007 erschienene, faktenreiche Rupprecht-Biografie von Dieter J. Weiß zeichnet ein, ohne seine Schwächen auszuklammern, doch wohlwollendes Bild des Thronfolgers. Umso mehr betonen Rupprechts schärfste Kritiker, dass er politisch gescheitert ist.

Als Bub genoss der Kronprinz eine strenge Erziehung, wie sie damals bei den Wittelsbachern obligatorisch war. Geist und Charakter wurden durch eine weltläufige Bildung diszipliniert, der Körper durch militärischen Drill und soldatische Abhärtung. Dabei erlebte der Knabe auch Gewalt, auch sein Vater versetzte ihm gelegentlich Hiebe. Als dann der Pulverrauch des Ersten Weltkriegs aufstieg, wurde Rupprecht als Oberbefehlshaber der Bayern an die Westfront geworfen. Er führte bis 1916 die sechste Armee in Lothringen und Nordfrankreich, danach bis 1918 als bayerischer und preußischer Generalfeldmarschall eine eigene, nach ihm benannte Heeresgruppe. Möglicherweise erschütterte das massenhafte Sterben seiner Soldaten nicht nur sein Gemüt, sondern auch sein Weltbild. Von 1916 an pochte Rupprecht jedenfalls bei der Obersten Heeresleitung immer wieder auf einen Verständigungsfrieden, allerdings vergeblich. Biograf Weiß bilanziert, der Druck des Krieges habe den Kronprinzen vom Feldherrn zum Staatsmann reifen lassen. Skeptiker halten ihm vor, er habe seine aggressive Rhetorik bis zuletzt nicht gemäßigt und sich durch antisemitische Äußerungen hervorgetan.

Als der 1918 verjagte König Ludwig III. drei Jahre später starb, gab Rupprecht bekannt, er trete jetzt in dessen Rechte ein. Weil der König offiziell nicht abgedankt hatte, fühlte sich Rupprecht weiterhin als Kronprinz. Anfänglich bekundeten die Nazis ein lebhaftes Interesse an ihm. Er aber wurde alsbald zu einem Hoffnungsträger der Nazigegner, vor allem, nachdem kurz vor Hitlers Aufstieg zur Macht Hoffnungen auf die Restitution der Monarchie aufkeimten. Es war ein letzter Versuch, der braunen Diktatur etwas entgegenzusetzen. Die Süddeutschen Monatshefte deklarierten 1933 den Übergang zur Monarchie als Forderung der Stunde. Ministerpräsident Heinrich Held und Fritz Schäffer, der Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, nahmen mit Zustimmung der SPD Kontakt zu ihm auf, um ihn notfalls zum Generalstaatskommissar zu ernennen. Letztlich fehlte den Nazigegnern der Mumm dazu. Rupprecht zögerte, als Hitler an die Macht kam, ebenso wie die Staatsregierung.

Die Nationalsozialisten reagierten auf die staatspolitischen Pläne des Hauses Wittelsbach ohne Nachsicht. Es kam zu fortgesetzten Bespitzelungen, Schikanen und Verhören. Rupprecht entkam 1934 nur knapp den Säuberungen nach dem sogenannten Röhm-Putsch, hielt Kontakt zu Oppositionsgruppen und ging nach Italien ins Exil. Nach dem Hitler-Attentat von 1944 wurden zwölf Mitglieder des Hauses Wittelsbach in die Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg gesteckt. In Florenz entging Rupprecht der Verhaftung. Seine Frau Antonia sollte sich von den Strapazen der Haft nicht mehr erholen.

1945 kehrte Rupprecht nach Bayern zurück. In einer Denkschrift plädierte er für eine föderative Neugestaltung Deutschlands, wozu auch Monarchien gehören könnten. "Mit der jahrhundertalten Tradition unserer Dynastie und meiner eigenen Autorität" wollte er Bayern wieder aufrichten. Ein gerne zitierter Satz umschreibt die vergeblichen Bemühungen Rupprechts und seiner königstreuen Anhänger sehr treffend: "So ist die Monarchie seit dem November 1921 Jahre vor der Tür gestanden, aber hereingekommen ist sie nicht."

Bundespräsident Theodor Heuss schrieb nach seinem Tod: "Die Gestalt Rupprechts von Bayern hat schon zu Lebzeiten in ihrer menschlichen Würde geschichtlichen Rang gewonnen." Vor der Residenz in München wurde 1961 ein schlichtes Denkmal zu Ehren Rupprechts errichtet.

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