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Umweltschutz im Wahlkampf:Markus Söder, der Kümmerer

Söder dagegen kann sich nun ganz der Rolle des Kümmerers hingeben, die er für sich ausgesucht hat. Nächsten Dienstag etwa, wenn der Ministerrat das von Söder angekündigte Landespflegegeld und ein Landesamt für Pflege bespricht. In seiner umsorgenden Art erinnert Söder damit sogar an seinen Vorgänger Horst Seehofer. Und es ist nicht die einzige Gemeinsamkeit.

Auch Seehofer machte zu Anfang seiner Regierungszeit viele Projekte seiner Vorgänger rückgängig, er schaffte die Studiengebühren wieder ab und führte das neunjährige Gymnasium wieder ein. Auch er legte eine beachtliche Wendigkeit an den Tag, wenn er bei einem Thema zu viel Widerstand zu spüren glaubte. Die Opposition nannte ihn deshalb Drehhofer.

Söder indes hat offenbar noch kein Glaubwürdigkeitsproblem. Nach einer von der Augsburger Allgemeinen in Auftrag gegeben Umfrage beim Institut Civey kommt die CSU derzeit auf 44,5 Prozent und kratzt damit seit langem wieder an der absoluten Mehrheit. Die FDP, der Söder den Kampf angesagt hat, würde mit vier Prozent nicht in den Landtag einziehen.

Den Frieden am Riedberger Horn lässt sich Söder viel Geld kosten. Balderschwang und Obermaiselstein bekommen ein 15 Millionen Euro teures "Zentrum Naturerlebnis Alpin" mit 20 Rangern, Naturführern und Touristikern. Das Zentrum soll sommers wie winters Ausflüge in die Oberallgäuer Berge anbieten, auch sportlich ambitionierte. Das aber ist es nicht alleine.

Der Freistaat will ein Pilotprojekt für umweltfreundliche Mobilität in den Bergen starten und eine halbe Millionen Euro für Busse bereit stellen. Außerdem unterstützt er die Modernisierung der beiden kleinen Skigebiete am Riedberger Horn, er investiert fünf Millionen Euro in schnelles Internet in den Dörfern und anderes mehr. Wenig verwunderlich, dass die Bürgermeister Kienle und Stehle keine Kritik äußern - zumindest nach außen nicht. "Wir haben immer gesagt, dass naturverträglicher Tourismus eine Chance ist", sagt Kienle. "Das ist jetzt keine Kehrtwende, Söder hat den gordischen Knoten gelöst."

Die Naturschutzverbände begrüßen das Aus der Skischaukel, bleiben aber skeptisch. "Wir freuen uns, dass Söder die Reißleine gezogen hat, egal ob aus Einsicht oder Angst vor den Landtagswahlen", sagt Richard Mergner vom Bund Naturschutz. "Wir fordern, dass die Änderung des Alpenplans für das Projekt, die er als Heimatminister rechtswidrig durchgepeitscht hat, zurückgenommen wird."

So lange dies nicht geschieht, werde man die Klage gegen die Änderung nicht zurücknehmen, sagt Norbert Schäffer vom Landesbund für Vogelschutz. Eine Rücknahme der Alpenplan-Änderung kommt für Söder aber nicht in Frage. Auch dies betont er an diesem Tag immer wieder.

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