Umweltschutz Dritter Nationalpark in Bayern: Die Rhön rückt auf

Dort, wo der Kreuzberg winkt, wie es in einem Lied besungen wird, könnte sich möglicherweise ein neuer Nationalpark erstrecken.

(Foto: Imago)
  • In Bayern soll es nach dem Willen der Staatsregierung einen dritten Nationalpark geben.
  • Eigentlich soll er im Spessart eingerichtet werden, doch das gefällt den Menschen dort gar nicht.
  • Zwei weitere Regionen sind darum nun im Gespräch: die ebenfalls unterfränkische Rhön und die Auwälder an Donau und Isar.
Von Christian Sebald

Es war eine eigentümliche Situation am Donnerstag im Landtag. Drinnen im Senatssaal lieferten sich Naturschützer, Touristiker, Bauernverbands-Leute, Waldbesitzer und Forstexperten einen Schlagabtausch über die Pläne für einen dritten Nationalpark in Bayern. Derweil zeichnet sich ab, dass der bisherige Favorit dafür, der unterfränkische Spessart, womöglich aus dem Rennen ist.

Der Grund: Aus Sicht der CSU-Fraktion sind die Widerstände in der Region schon jetzt so massiv, dass Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) rasch von den Plänen ablassen sollte. Damit rücken zwei andere Kandidaten in den Fokus: Zum einen die ebenfalls unterfränkischen Rhön, wo es mit einem weitläufiges Biosphärenreservat bereits ein hochwertiges Schutzgebiet gibt. Und zum anderen die Auwälder an Donau und Isar.

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Offiziell waren die Pläne für einen Nationalpark Spessart noch kein Thema in der CSU-Fraktion, geschweige denn Gegenstand einer Abstimmung. Auch Fraktionschef Thomas Kreuzer habe sich noch nicht geäußert, wie er Scharfs Dialogprozess im Spessart beurteilt, hieß es, zumindest nicht in größerem Kreis. Dennoch wissen alle, dass er von den Nationalpark-Plänen insgesamt wenig hält. "Und wenn man die vielen Äußerungen der Kollegen gerade auch in den letzten Tagen zusammenzählt, wird klar, dass die übergroße Mehrheit gegen einen Nationalpark im Spessart ist", sagte ein einflussreicher CSU-Abgeordneter.

Andere erinnern an das Versprechen von Ministerpräsident Horst Seehofer, der dritte Nationalpark werde nicht gegen den Willen der Bevölkerung in der jeweiligen Region kommen. "Wenn es wirklich danach geht, dürfte sich der Spessart erledigt haben", sagte ein anderer CSU-Mann. "Die Region ist schon jetzt tief gespalten, der Widerstand in den Dörfern wächst eher, als dass er abnimmt."

Seehofer selbst ist inzwischen reichlich genervt von dem Unwillen der Abgeordneten. Das hat er erst am Dienstag klar gemacht, als er im Landtag so offen wie gereizt all die Themen aufzählte, über die er sich mit der Fraktion streitet. Der geplante neue Nationalpark war natürlich mit dabei. Denn das ist ebenfalls klar: Seehofer steht fest zu seinem Versprechen vom Juli 2016, dass es einen dritten Nationalpark im Freistaat geben wird. Das bekräftigte er erst unlängst wieder einmal im Parteivorstand.

Der Widerstand soll geringer sein als im Spessart

Deshalb holen nun plötzlich die Rhön, aber auch Donau und Isar als mögliche Standorte auf. "Wenn der dritte Nationalpark schon sein muss, dann halt in einer Region, wo die Leute ihn wollen", heißt es aus der Fraktion. "Oder zumindest der Widerstand nicht so hart ist wie in den Spessart-Dörfern."

Aus naturschutzfachlicher Sicht können weder die Rhön noch die Auwald-Reste an Donau und Isar mit dem Spessart mithalten. Dafür sind die alten Buchenwälder in der Region zwischen Würzburg und Aschaffenburg viel zu einzigartig. Auch die 10 000 Hektar Gesamtfläche, die der neue Nationalpark einmal umfassen soll, sind im Spessart viel einfacher zu bewerkstelligen als anderswo. Zwar würde ein Nationalpark Spessart nach jetzigem Diskussionsstand von der viel befahrenen A 3 durchschnitten. Aber ansonsten bestünde er aus einem geschlossenen Gebiet. In der Rhön, aber auch an Donau und Isar müsste ein Nationalpark dagegen aus zum Teil weit von einander entfernt liegenden Teilen zusammengestückelt werden.

Doch die beiden Regionen haben auch Vorteile. So dürften die Widerstände hier wie dort tatsächlich sehr viel geringer sein als im Spessart. Wenn es denn überhaupt welche geben würde. Umweltministerin Scharf hat erst am Mittwoch mit den Rhöner Landräten und zahlreichen Bürgermeistern die Wälder im Südosten des Kreuzbergs, aber auch andere Gebiete in der Region besichtigt, die aus ihrer Sicht für einen Nationalpark in Frage kämen. Die Atmosphäre soll sehr angenehm und interessiert gewesen sein.

"Der Nationalpark ist für die Menschen da"

Auch in der Region um Neuburg an der Donau herum steht man einem möglichen Auwald-Nationalpark offen gegenüber. Er könnte um den Hienheimer Wald und den Donau-Durchbruch bei Kelheim ergänzt werden. Und der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl bringt als weitere Ergänzung sogar die Auwälder an der Isar zwischen München und Landshut ins Spiel. Auwälder haben naturschutzfachlich den großen Pluspunkt, dass sie zu den artenreichsten Wäldern überhaupt zählen. Zudem hätte ein bayerischer Auwald-Nationalpark den Charme, dass er der erste Deutschlands wäre, so wie der Nationalpark Bayerischer Wald 1970 der erste in der ganzen Bundesrepublik war.

Bei der Experten-Anhörung am Donnerstag im Landtag prallten derweil die gegensätzlichen Positionen zu einem Nationalpark Spessart unverändert aufeinander - egal ob das nun die Zukunft der vielen Eichen dort, die Jahrhunderte alten Holzrechte der Einheimischen in den Dörfern, mögliche touristische Impulse und anderes mehr anbelangt. Auch die Umweltministerin blieb auf Kurs. "Der dritte Nationalpark für Bayern ist eine historische Entscheidung", erklärte sie, ohne näher auf den Spessart oder eine andere Region einzugehen. "Ein Nationalpark ist für die Menschen da, er ist ein Angebot an die Regionen. Er kommt nur mit den Menschen in einer Region. Wir setzen voll auf einen offenen und transparenten Dialog."

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