Spessart Umweltministerin plant Nationalpark im Spessart - samt Autobahn

Im Spessart sollte ein dritter Nationalpark entstehen - nur wo genau?

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Geht es nach Ulrike Scharf, würde ausgerechnet die viel befahrene A 3 mitten durch das mögliche Schutzgebiet im Spessart führen. Das macht auch Umweltschützer skeptisch.

Von Christian Sebald

Der Streit um die Pläne von Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) für einen Nationalpark im Spessart hält an. Am Freitag haben sich sogar erstmals Waldexperten und Naturschützer kritisch geäußert. Der Grund ist die mögliche Lage des Schutzgebietes. Nach einer Karte, die Scharf anlässlich eines Besuchs in Aschaffenburg veröffentlicht hat, würde die Autobahn A 3 mitten durch den neuen Nationalpark führen.

Damit wäre der Nationalpark Spessart das erste Großschutzgebiet in Deutschland, das von einer so großen und viel befahrenen Verkehrsachse durchtrennt würde. "Solche Infrastrukturen haben einen immensen Zerschneidungseffekt für die Natur", sagt der renommierte Nationalpark-Experte Norbert Panek. "Damit wäre der neue Nationalpark von vorneherein abgewertet."

Die A 3 zwischen Würzburg und Aschaffenburg zählt zu den am meisten befahrenen Autobahnen in Deutschland. Zwischen Biebelried und Aschaffenburg sind auf ihr täglich zwischen 60 000 und 90 000 Fahrzeuge unterwegs. Der sechsstreifige Ausbau der Fernstraße im Spessart steht nach Angaben der Autobahndirektion Nordbayern kurz vor dem Abschluss. Im Lauf des Jahres werden Autos und Lkw auch in dem Abschnitt zwischen den beiden Spessartdörfern Weibersbrunn und Bischbrunn auf jeweils drei Spuren in Richtung Aschaffenburg und Würzburg donnern können. Das ist der A 3-Abschnitt, der den Nationalpark durchschneiden würde. "Dass man so eine Autobahn in einen Nationalpark integriert, wäre etwas komplett Neues", sagte der Nationalpark-Experte Panek, "das hat auf jeden Fall immense schädliche Auswirkungen auf den Wald und die Flora und Fauna in ihm."

Auch in der Naturschutz-Szene gab es zumindest skeptische Reaktionen. "Die Kulisse ist nicht optimal", sagte die Greenpeace-Sprecherin Gesche Jürgens. Beim Bund Naturschutz (BN) sprachen sie von einem "Mangel". Doch allzu hoch wollen sie in den beiden Organisationen die Kritik nicht hängen. Schließlich setzen sich der BN und Greenpeace vehement dafür ein, dass Bayerns dritter Nationalpark in den Spessart kommt. Bei Greenpeace weisen sie darauf hin, dass man den Zerschneidungseffekt durch Grünbrücken über und Tunnels unter der A 3 ausgleichen könne. Beim BN argumentieren sie, dass sowohl nördlich als auch südlich der A 3 naturschutzfachlich besonders wertvolle Buchenwälder liegen, die in dem Nationalpark zusammengeführt würden.

Umweltministerin Scharf kündigte in Aschaffenburg vor Lokalpolitikern eine Nationalpark-Studie sowie ein "umfassendes Veranstaltungs- und Informationspaket" an. Nach Scharfs Karte hätte der Nationalpark Spessart 10 900 Hektar Fläche. Das ist etwas mehr als die 10 000 Hektar Mindestgröße, die so ein Großschutzgebiet nach internationalem Standard haben muss. Am Rande von Scharfs Besuch demonstrierten Gegner und Befürworter des Projekts. Laut Polizei verliefen die Kundgebungen "lautstark, aber absolut friedlich".

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