CSU-Vorsitz Markus Söder, Machtmensch ohne Vision

Ein CSU-Chef könnte außerhalb der Regierungsverantwortung in Bayern weiter denken, strategischer. Für Söder wird das schwer.

(Foto: dpa)

Nach dem 37-Prozent-Debakel bei der Landtagswahl übernimmt der Ministerpräsident nun wohl auch noch den Parteivorsitz - von Einsicht zeugt das nicht. Die CSU geht damit sogar ein Risiko ein.

Kommentar von Katja Auer

Man kann es konsequent nennen, dass Markus Söder nun doch CSU-Vorsitzender werden will. Sein politisches Leben lang hat er an seiner Karriere gearbeitet, vielen zu rücksichtslos, doch erfolgreich. Als Krönung wurde er mit 51 Jahren zum jüngsten Ministerpräsidenten Bayerns gewählt, und wenn vorher der Himmel nicht einstürzt, wird er wohl am Dienstag im Amt bestätigt werden. Mit dem Parteivorsitz dazu könnte er sich endgültig in der Reihe seiner großen Vorbilder wähnen, Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber.

Doch deren Format hat er nicht. Eine Vision für Bayern ist bislang nicht erkennbar, den Wahlkampf bestritt Söder mit wildem Aktionismus und dem vielen Geld, das er im Freistaat ausgeben kann. Und in Berlin hat er sich seitdem lieber rausgehalten, zu wenig erfolgversprechend erschien das Engagement. Mit CDU-Chefin Angela Merkel wurde Söder ohnehin nie richtig warm. Stattdessen, als sich der Absturz bei der Landtagswahl schon abzeichnete, schimpften sie in München auf die in Berlin, obwohl die CSU dort mitregiert. Eine Schizophrenie, die in der CSU schon oft gut funktionierte.

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Wenn der 37-Prozent-Söder nun nach dem Parteivorsitz greift, zeugt das nicht von Einsicht. Zwar geht Söder tatsächlich als Gewinner aus der Wahl hervor, niemand kreidet ihm die mehr als zehn Prozentpunkte Verlust persönlich an, und mit den Freien Wählern wird er beinahe so weitermachen können wie zuvor. Doch ein Aufbruch ist das nicht.

Für den stünde Manfred Weber, der Chef der EVP im Europaparlament ist und in fast jeder Hinsicht das Gegenteil von Söder: ausgeglichener im Ton, programmatischer und mit einem Blick weit über Bayern hinaus. Ihm ist das schlechte Wahlergebnis nicht anzulasten. Hätte er seine Bereitschaft erklärt, wäre Söder kaum an ihm vorbeigekommen. Doch Weber zögerte, er will seine Kandidatur als Kommissionschef nicht gefährden. Die Zusammenarbeit zwischen Söder und Weber wäre zwar schwierig geworden, für die CSU hätte sie aber die frühere Breite bieten können, von konservativ bis weltoffen. Die fehlte offenbar jenen Wählern, die zur AfD einerseits und zu den Grünen andererseits abgewandert sind.

Dass Angela Merkel nun den CDU-Vorsitz abgibt und Weber nicht auf den CSU-Vorsitz zugreift, kommt Söder entgegen, jetzt läuft es auf ihn zu. Machtmensch, der er ist, passt es, dass er es nun selber machen will. Söder vertraut sich selbst am meisten, das zeigt sich daran, wie er sein Kabinett führt. Er lässt sich berichten, welche Pressetermine in den Ministerien anstehen; ist ein guter darunter, dann übernimmt er ihn selbst. Da steht er dann im Maisfeld und lässt besorgten Blickes trockenen Ackerboden durch seine Hände rieseln, anstelle der zuständigen Landwirtschaftsministerin, die als Statistin danebensteht.

Kleinteilig wirkt das oft. Dieses Risiko geht die CSU ein, wenn sie Söder wählt. Denn die neue Koalition in Bayern wird sich viel mit regionalen Dingen beschäftigen, so wollen es die Freien Wähler. Und der Anspruch einer mit absoluter Mehrheit regierenden Partei ist ohnehin dahin. Da könnte ein CSU-Chef - außerhalb der Regierungsverantwortung in Bayern - weiter denken und strategischer. Für Söder, dem bundespolitische Ambitionen und Ideen fehlen, wird das schwer.