Parteivorsitz "Von mir aus hätte er gerne noch bleiben können"

Thomas Habermann, seit 15 Jahren Landrat im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld, ist vor allem froh, dass "eine Entscheidung getroffen ist - und Horst Seehofer von sich aus das Amt abgibt". Das helfe der Partei bei einer Erneuerung und tue Bayern und Berlin gut. Sowohl Weber als auch Söder seien geeignet. Und eine Frau? "Auf jeden Fall wäre es an der Zeit für eine Frau, ich habe schon lange vor der Landtagswahl gesagt, dass die CSU grüner und weiblicher werden muss und moderne Frauenpolitik machen muss", sagt Habermann. Der aktuelle Wettbewerb werde sich aber zwischen Söder und Weber abspielen.

Der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling hätte sich Seehofers Rückzug "etwas eher gewünscht". Aber er könne jetzt "gut damit leben", dass es am 19. Januar soweit ist. Als Nachfolger kommt für ihn nur einer infrage: Markus Söder. Der habe in der kurzen Zeit als Ministerpräsident bewiesen, dass er mit "sehr guten Ideen und großem Einsatz an die Sache rangeht". Außerdem ist Ebeling der Meinung, dass beide Ämter "in eine Hand" gehören. In der Vergangenheit sei die CSU so "immer am schlagkräftigsten gewesen".

Ralph Edelhäußer, Erster Bürgermeister der Stadt Roth, war froh, als ihn die Meldung vom Rücktritt erreichte. "Die Wahlergebnisse waren zuletzt nicht berauschend und der Umgang mit der CDU noch schlimmer: Das sind ja keine Gegner, das ist ja unsere Schwesterpartei!" Geärgert hat sich der Söder-Unterstützer über den Termin: "Für den 19. Januar haben mehrere Ortsverbände ihren Neujahrsempfang geplant", sagt Edelhäußer, "jetzt wird die Basis ihre Termine verschieben müssen, bis die Großkopferten wieder Zeit haben."

Dass Horst Seehofer schon viel früher vom Parteivorsitz hätte zurücktreten sollen, findet Jürgen Oehm, Kreisvorsitzender der Senioren-Union in Coburg. "Im Wahlkampf habe ich viel Zeit an Informationsständen verbracht und die generelle Meinung war durch die Bank, dass ein Rücktritt nötig und angebracht wäre", sagt er. Oehms Hoffnungsträger ist Markus Söder. Denn: "Er wird das gut machen, auch wenn man vielleicht befürchten muss, dass er im Haifischbecken in Berlin Schwierigkeiten haben wird, die Mehrheiten hinter sich zu versammeln."

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Auch wenn Jochen Ulshöfer, stellvertretender Kreis- und Fraktionsvorsitzender der CSU in Hof, von Manfred Weber direkt ins Schwärmen gerät, ist er sich doch sicher, dass Markus Söder die bessere Wahl wäre. "Obwohl Weber super ist - ein begeisterter Europäer -, würde sich seine mögliche Rolle in Brüssel doch mit dem Parteivorsitz vermutlich in die Quere kommen", sagt Ulshöfer. Er findet, dass Seehofer jetzt einen finalen Abgang aus der Politik folgen lassen sollte, also auch das Ministeramt niederlegen. "So ein Rückzug auf Raten ist selten gut - das kennt man ja auch im Sport", sagt er.

Seehofer habe seine Verdienste, in der Gesamtschau aber sei es "notwendig und konsequent", dass er geht, sagt Manfred Schilder, Oberbürgermeister von Memmingen. Sowohl Weber wie Söder traut Schilder den Parteivorsitz zu. An den neuen Parteichef hat der 60-Jährige klare Erwartungen. Er müsse Ruhe und Stabilität in die Partei bringen und einen klaren Kurs abstecken etwa in der Asylpolitik. "Es wäre ein kardinaler Fehler, zu weit nach rechts zu rücken", sagt er. Schilder glaubt, Söder habe das verstanden.

40 Jahre ist Cornelia Lehmann bei der CSU, zwölf Jahre saß sie im Stadtrat von Friedberg bei Augsburg. Eigentlich ist die 62-Jährige dafür, dass die Älteren die Jungen ranlassen, zu Seehofer aber sagt sie: "Von mir aus hätte er gerne noch bleiben können." Sie schätzt ihn für seine Geradlinigkeit: "Er hat das durchgesetzt, was er versprochen hat oder es zumindest versucht." Im Vergleich zu Söder habe er "die bessere Persönlichkeit". Söder ist ihr zu "aufgeblasen". Alles, was er mache, sei "auf Werbung ausgelegt". Als Parteichef wünscht sich Lehmann deshalb Manfred Weber. Der habe auch die Geradlinigkeit und nicht "dieses heute so, morgen so"