CSU Söder krempelt die CSU-Zentrale um

Söders wichtigste Mitarbeiter sitzen heute in der Staatskanzlei.

(Foto: dpa)
  • Mit Horst Seehofer verlassen auch dessen enge MItarbeiter die Parteizentrale der CSU: Sein persönlicher Referent, Michael Hilmer, ist jetzt bei einem großen Versicherer angestellt.
  • Marc Sauber, der ehemalige Chefredakteur des Bayernkurier, wechselt zu einem Automobilunternehmen.
  • Der CSU-Pressesprecher Jürgen Fischer wird eine Aufgabe bei der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft übernehmen.
Von Wolfgang Wittl

Eines der ersten Signale, das Generalsekretär Markus Blume zu Beginn dieser neuen CSU-Ära sendet, richtet sich an die eigene Belegschaft. Es trägt die Botschaft: Fürchtet euch nicht. Weder vor dem frischen Parteichef Markus Söder. Noch vor dem, was er vorhat. Am Montag um elf Uhr bat Blume die Mitarbeiter in der Parteizentrale zum Gespräch. Keiner der 80 Beschäftigten müsse um seinen Job zittern, versicherte der Generalsekretär, man habe eine extrem starke Mannschaft und sei stolz darauf. Und doch wird sich die CSU auf Schlüsselpositionen neu aufstellen. Seehofers engste Vertraute werden die Landesleitung verlassen oder haben es schon getan, Söder wird seinen eigenen Stab aufbauen. Alles in bestem Einvernehmen, wie zu hören ist.

Der Umbruch, den der CSU-Sonderparteitag am Samstag mit der Wahl Söders plakativ vollzogen hat, setzt sich im Kleinen fort. Seehofer hat sein Büro im vierten Stock schon vor Weihnachten geräumt. Es gehört jetzt Söder, wie auch der Ausblick auf die gegenüberliegende Tankstelle. Wie Seehofer dürfte Söder seine Alltagsarbeit allerdings weitgehend von der Staatskanzlei oder Dienstlimousine aus steuern - umgeben von seinen bisherigen Getreuen.

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Vernetzt mit der Parteizentrale war Söder seit seiner Zeit als bayerischer JU-Chef und Generalsekretär. Sein innerster Zirkel hat sich allerdings auf dem Weg durch die Ministerien gebildet. Söders wichtigste Mitarbeiter sitzen heute in der Staatskanzlei, daran wird sich wenig ändern. Seehofer hingegen war sich immer schon selbst sein bester Ratgeber. Die Menschen seines Vertrauens kann man an einer Hand abzählen, die Mehrzahl saß in der Parteizentrale. Ihre Namen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. In den Fokus rücken sie meistens nur, wenn etwas schiefgelaufen ist. Wie bei Hans Michael Strepp.

In seiner Funktion als CSU-Pressesprecher hatte Strepp im Oktober 2012 beim ZDF angerufen - offenbar mit dem Ziel, einen Bericht über den SPD-Landesparteitag mit der Kür von Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl zu unterbinden. Mehrere ZDF-Mitarbeiter berichteten vom Versuch gezielter Einflussnahme. Strepp bestritt dies. Als die Affäre auf Seehofer überzuschwappen drohte, trat Strepp zurück, drehte aber weiter seine Runden im engsten CSU-Kosmos. 2013 beförderte ihn Seehofer zum Hauptgeschäftsführer der Partei, nun steht Strepps Wechsel in die höchste Beamten-Umlaufbahn bevor. Er soll Amtschef des neuen Digitalministeriums werden.

Die Nähe zwischen CSU und Freistaat ist weder politisch noch auch auf Arbeitsebene neu. Strepps Vorgänger, Bernhard Schwab, wurde 2013 ebenfalls vom CSU-Hauptgeschäftsführer zum Amtschef befördert - im Wirtschaftsministerium. Den Job hat er noch heute. Schon davor war Schwab öfter beruflich zwischen Freistaat und Partei gependelt. Er war Sprecher im Wirtschaftsministerium und in der Staatskanzlei, dann in der CSU, wo er kurz auch Edmund Stoibers Büro leitete, ehe er in die bayerische Vertretung nach Berlin wechselte - und wieder zur CSU.

Als Strepps Nachfolger als CSU-Pressesprecher holte Seehofer 2013 den Journalisten Jürgen Fischer an seine Seite, den er seit vielen Jahren bestens kannte. Keiner in Seehofers Umfeld ist näher dran an Seehofer. Keiner kann auch die Motive seines Chefs besser erklären, wenn Seehofer mal wieder Anlass dazu geliefert hat. Zuletzt leitete Fischer auch Seehofers Büro - ein Job, den er wieder übernehmen könnte, wenn Seehofer sich eines Tages aus Berlin zurückgezogen haben sollte. Bis März 2022 steht ihm ein staatlich finanziertes Austragsstüberl als Ministerpräsident a.D. zu. Von Februar an wird Fischer eine Aufgabe bei der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft übernehmen.

In seiner Abschiedsrede am Parteitag tat Seehofer etwas, was er sonst nie macht: Er lobte öffentlich seine Mitarbeiter. Er danke Jürgen Fischer, "zum ersten und zum letzten Mal". Auch Strepp spendierte er warme Worte, "sehr kompetent und loyal" habe er seine Arbeit verrichtet, wie überhaupt alle Mitarbeiter "fantastisch" gewesen seien. Auch Seehofers persönlicher Referent in der Parteizentrale, Michael Hilmer, war am Parteitag noch mal zu sehen. Obwohl er zum Jahresbeginn einen neuen Job angetreten hat, war für ein paar Stunden alles wie früher: Hilmer organisierte die Tagungsunterlagen und holte für Seehofer die Stimmkarten ab.

Dass es kein Schaden gewesen sein muss, den Arbeitgeber CSU in seiner Vita stehen zu haben, zeigen die neuen Jobs: Hilmer ist jetzt bei einem großen Versicherer als Assistent der Geschäftsführung angestellt. Marc Sauber, der ehemalige Chefredakteur des Bayernkurier und zuletzt mit Zukunftsaufgaben betraut, wechselt zu einem Automobilunternehmen. Ihre Nachfolger in der CSU-Zentrale dürften vorwiegend aus den eigenen Reihen kommen, die Gespräche über die Besetzung des Hauptgeschäftsführers laufen angeblich noch.

Seehofer verabschiedete sich am Samstag ungewöhnlich emotional von seinen Getreuen. Er nahm Fischer und Hilmer in den Arm, ließ sich mit ihnen fotografieren. Es war ihr letzter Auftritt in dieser Konstellation, jetzt gehen sie getrennte Wege.

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