CSU-Parteitag in München Zwei Alphamänner, keine Euphorie

Seehofer (links) und Söder beim Parteitag.

(Foto: dpa)
  • Auf ihrem Parteitag in München verabschiedet die CSU ihren Vorsitzenden Horst Seehofer.
  • Sein Nachfolger Markus Söder schlägt nach seiner Wahl moderate Töne an und gibt sich betont proeuropäisch.
  • Grüne und AfD greift er jedoch scharf an, Bundespolitik kommt in seiner Rede kaum vor.
Vom Parteitag von Ingrid Fuchs

Es sollte ein Parteitag des Aufbruchs werden, aber die CSU-Delegierten wirken etwas müde. Was an diesem Samstag passieren soll, steht seit Wochen fest: Ein neuer Chef muss her. Abschied und Neustart. Für die beiden Alphamänner der CSU ist es trotzdem ein aufregender Tag. Der eine, Markus Söder, nimmt dem anderen das zweite gewichtige Amt binnen eines Jahres ab.

Bei der Landtagswahl im Herbst musste Söder als Ministerpräsident herbe Verluste verkraften, auch das Wahlergebnis zum CSU-Vorsitzenden kann ihm kaum gefallen: 87,42 Prozent erreicht er, als einziger Kandidat. Für ihn geht es nun um nichts weniger als die Zukunft, seine eigene und die der Partei. Der andere, Horst Seehofer, muss seinen Platz an der Spitze der Partei endgültig räumen. Ein Rücktritt vom Rücktritt ist diesmal keine Option mehr - auch wenn er darüber Scherze macht.

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Seehofer kommt am Morgen als erster an der Kleinen Olympiahalle in München an, fast 40 Minuten vor Beginn des Parteitags steigt er aus seiner Limousine. Was er an diesem Tag schon erledigt hat? Er hat den zweiten Tweet seines Lebens abgesetzt - und sein Horoskop in seiner Heimatzeitung gelesen. Für Söder dürfte es klingen wie eine Drohung: "Sie verlieren keinesfalls Ihr Gesicht, wenn Sie eine getroffene Entscheidung revidieren. Sie gewinnen im Gegenteil an Respekt", zitiert Seehofer aus dem Donaukurier. Später auf der Bühne ergänzt er noch: "Vor 15 Jahren, vielleicht auch noch vor zehn Jahren, hätte ich das als Auftrag verstanden. Heute fehlt mir die Risikobereitschaft."

Bei den Delegierten sorgt Seehofer damit für Lacher, stoppen will seinen Abschied niemand mehr. Nach zehn Jahren und vor allem nach den vergangenen Monaten haben viele genug: Seehofer wird unter anderem vorgeworfen, den Moment für den Rücktritt verpasst, das Gefühl für die Menschen verloren und die Themen im Wahlkampf falsch gesetzt zu haben. So ist fast Erleichterung zu spüren, als Seehofer seine Abschiedsrede beginnt: "Heute gebe ich das Amt des Parteivorsitzenden mit großer Dankbarkeit und mit Stolz in die Hände meiner Partei zurück."

Auch ein bisschen Wehmut ist dem 69-Jährigen an diesem Tag anzumerken, darüber dürfte ihn das Abschiedsgeschenk - der Nachbau der CSU-Parteizentrale für seine Modelleisenbahnlandschaft - kaum hinwegtrösten. Der Applaus für Seehofer ist anständig, nur ein einzelner älterer Mann steht mit einem Plakat im Saal, "Danke Horst" steht drauf. Arbeitslos wird Seehofer nun aber nicht, seinen Posten als Bundesinnenminister will er - trotz zwischenzeitlich anderslautender Aussagen - behalten. Außerdem wird er auf Vorschlag Söders zum CSU-Ehrenvorsitzenden gewählt und gesellt sich damit zu Edmund Stoiber und Theo Waigel.

Weber will EU-Kommissionschef werden

Die harmonische Verabschiedung hat Söder damit beim Parteitag erfolgreich hinter sich gebracht, der Einstand als Parteivorsitzender fällt ihm dagegen schwerer. Er stellt die fünf wichtigsten Themen für die CSU vor: die christliche Prägung, das soziale Gewissen, wirtschaftliche Stärke, Sicherheit und Bayern samt seiner Traditionen bewahren. Er klingt dabei wesentlich moderater und sanfter als noch vor ein paar Monaten, er positioniert sich und die Partei als klar proeuropäisch - kein Wunder, ist doch der CSU-Mann Manfred Weber der Spitzenkandidat der EVP für die Europawahlen - und damit auch für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten.

Reißerische Sprüche oder populistische Forderungen spart sich Söder, nur bei der AfD ("hässliche Fratze") und den Grünen ("Doppelmoral") bleibt er hart. Von den Delegierten gibt es dafür braven Applaus, von Jubel ist nichts zu spüren. Bundespolitik kommt in Söders Rede kaum vor, das überlässt er der CDU-Chefin Annegret-Kramp Karrenbauer, die an diesem Samstag bei der CSU zu Gast ist. Die Sorge also, dass die CSU unter Söders Führung zu einer Regionalpartei schrumpfen könnte, kann er in seiner ersten Rede als Parteivorsitzender nicht entkräften. Seehofer hatte dieses Problem nie, seine Karriere begann in Berlin und dort wird sie wohl wieder enden. Sein Fazit nach dem Abschied von der CSU-Spitze: "Mein Werk ist getan."

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